/ 22.06.2013
Bernd Schlipphak
Framing Ideology. Die Kommunikation ideologischer Positionierungen zwischen Parteien, Wählern und Medien
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011; 301 S.; 49,- €; ISBN 978-3-8329-6301-9Politikwiss. Diss. Freiburg; Gutachter: U. Eith, J. Rüland. – „Welchen Einfluss haben die Medien und die Parteien auf die Wahrnehmung ideologischer Parteienpositionierungen durch die Bevölkerung und damit auf ihr Wahlverhalten?“ (14) Mithilfe der Auswertung umfangreicher quantitativer (Umfrage-)Daten sucht Schlipphak eine Antwort auf diese Leitfrage. Das Fallbeispiel für die empirische Analyse – die ideologische Verortung der SPD während der rot-grünen Regierung 1998 bis 2005 – wählt der Autor vor dem Hintergrund des vieldiskutierten angeblichen Rechtsrucks der Kanzlerpartei während der Ära Schröder, an deren Beginn das im Wahlkampf 1998 propagierte Schlagwort der „Neuen Mitte“ (11) stand. Zunächst wertet Schlipphak in interdisziplinärer Perspektive den aktuellen Forschungsstand zum Frame-Ansatz aus. Er versteht den Begriff „als ein auf (Sub-)Schemata aufgebautes kognitives Raster [...], über das Individuen in der Lage sind, Informationen zu rezipieren und zu verarbeiten. Das Ansprechen bzw. Aktivieren eines solchen Frames erfolgt über das sogenannte Framing.“ (50) Anschließend geht er auf den in jüngerer Zeit wieder wachsenden Stellenwert von Ideologie in der Wahlverhaltens-, Parteien- und Medienwirkungsforschung ein. Schließlich wird der Frame „Ideologie“ als oberste Ebene eines hierarchischen Baummodells präzisiert, das sich auf der Sekundärebene in zwei zentrale Schemata verzweigt: Die (wirtschaftspolitische) Links-Rechts-Achse sowie die (gesellschaftspolitische) Werteachse, die ihrerseits auf der nachgeordneten Ebene der Subschemata genauer erschlossen werden. Zwar verorte die Bevölkerung die SPD anno 2005 tatsächlich weiter rechts als noch 1998. Schlipphak weist nach, dass die Wahrnehmung ideologischer Positionierungen das Wahlverhalten der Bevölkerung beeinflusst und die Parteien an diesem Prozess durch Framing mitwirken. Jedoch treffe dies nur auf Wählersegmente mit hoher Mediennutzung, hohem Bildungsniveau und großem politischen Interesse zu. Ein signifikanter medialer Einfluss auf die Parteienwahrnehmung und damit auch auf die individuelle Wahlentscheidung habe sich nicht gezeigt – diese Erkenntnis ist ebenso überraschend wie aufschlussreich, widerspricht sie doch der These von der (erfolgreichen) medialen Kolonisierung des Politischen.
Ulrich Heisterkamp (HEI)
Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
Rubrizierung: 2.33 | 2.331 | 2.332 | 2.333 | 2.22 | 1.2
Empfohlene Zitierweise: Ulrich Heisterkamp, Rezension zu: Bernd Schlipphak: Framing Ideology. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33853-framing-ideology_40565, veröffentlicht am 01.09.2011.
Buch-Nr.: 40565
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Politikwissenschaftler, Doktorand am Institut für Politikwissenschaft der Universität Regensburg.
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