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/ 17.06.2013
Burchard Brentjes

Geheimoperation Nahost. Zur Vorgeschichte der Zusammenarbeit von Mossad und BND

Berlin: edition ost 2001; 256 S.; brosch., 12,90 €; ISBN 3-360-01023-X
Man fragt sich bei der Lektüre dieses Buches des Öfteren, was der Autor - laut Verlagsprospekt ein "international bekannter und renommierter Wissenschaftler" - eigentlich will. Brentjes berichtet über Geheimdienstunterlagen, die eine Kooperation zwischen jüdischen Geheimdienstorganisationen und den Nazis beweisen. Am Ende wird daraus eine Kette, die aus seiner Sicht zur Kooperation zwischen dem Mossad und dem BND führt. Die Vielzahl an Altnazis, die der BND am Anfang in seinen Reihen hatte, wird so flugs zum Beweis einer jahrzehntelangen Kooperation, die es schon allein deshalb nicht gegeben haben kann, weil der Mossad erst in den Fünfzigerjahren gegründet wurde. Und der Haganah und anderen jüdischen Widerstandsorganisationen gegen die Briten auch nur andeutungsweise den Pakt mit dem Teufel anzukreiden, der zwischen 1933 und 1939 zur Rettung vieler Tausend Juden führte, ist auch völlig verfehlt. Brentjes angeblich seit vierzig Jahren ignorierte Dokumente sind überdies nicht besonders aussagekräftig. Was beweist es schon, wenn zwei deutsche Beamte monatelang durch den Nahen Osten reisten und dort auch einen jüdischen Verbindungsmann trafen? Kann man daraus auf eine erfolgreiche Kooperation schließen, die bis in die Zeit der Bundesrepublik Deutschland fortgeführt wurde? Von einer wie auch immer gearteten erfolgreichen Nahostpolitik des Deutschen Reiches ist bislang in der Literatur nichts bekannt. Die Kontakte können also so gut nicht gewesen sein. Überhaupt fällt auf, wie wenig Brentjes die Literatur beachtet und wie kritiklos er mit den Quellen umgeht, obwohl er sie über lange Seiten hinweg sogar im Faksimile abdrucken lässt. Letztlich zeigt er nur, dass es Kontakte zwischen den Nazis und einigen jüdischen Organisationen gab. Den Nachweis für die behaupteten alten Seilschaften zwischen BND-Altnazis und dem Mossad bleibt er ganz schuldig. Stutzig macht allerdings sein vehementer Antizionismus. Im Grunde nutzt er nur die Schilderung einiger Facetten der für viele deutsche Juden lebensrettenden Kooperation zwischen jüdischen Organisationen und den Nazis, um Israel anzugreifen: "Der Staat Israel ist eine Realität, und seine zionistische Grundhaltung eine Kopie deutsch-völkischer Ideen." (197) Die Grenze zum Antisemitismus ist da schnell überschritten.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 4.22.3122.632.3242.21 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Burchard Brentjes: Geheimoperation Nahost. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15560-geheimoperation-nahost_17732, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17732 Rezension drucken
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