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/ 20.06.2013
Johannes Hürter / Hans Woller (Hrsg.)

Hans Rothfels und die deutsche Zeitgeschichte

München: R. Oldenbourg Verlag 2005 (Schriftenreihe der Viertelsjahrshefte für Zeitgeschichte 90); 209 S.; brosch., 24,80 €; ISBN 3-486-57714-X
Als Hochschullehrer an der „Grenzland-Universität“ Königsberg im Übergang von der Weimarer Republik zur NS-Diktatur hatte der deutsch-jüdische Historiker Hans Rothfels (1891-1976) großen Einfluss auf zahlreiche Nachwuchswissenschaftler, doch verlor er diesen Lehrstuhl aufgrund seiner jüdischen Vergangenheit. Nach den Exiljahren in England und den USA lehrte er in den 50er-Jahren in Tübingen. Rothfels hatte den Ruf eines nationalkonservativen, aber keineswegs NS-freundlichen Wissenschaftlers. Das änderte sich im Jahr 2000, als Ingo Haar ihm vorwarf, „als Historiker und Publizist in Königsberg nationalsozialistische und antidemokratische Positionen vertreten zu haben“. Karl Heinz Roth attestierte ihm „eine große Affinität zu faschistischen Ideen“ und „als Präzeptor der deutschen Zeitgeschichtsforschung die Formulierung entscheidender Fragen über den Nationalsozialismus verzögert“ (11) zu haben. Angesichts des 50-jährigen Bestehens der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, die Rothfels 23 Jahre lang herausgegeben hat, veranstaltete das Institut für Zeitgeschichte im Juli 2003 eine wissenschaftliche Tagung gleichen Titels, deren Beiträge in diesem Band dokumentiert werden. Ziel war es, „einer unangemessenen sachthematischen Verengung der bis dahin geführten Diskussion entgegen[zu]wirken“ (12) und alle Aspekte der Biografie Rothfels zu beleuchten, „ihn zu kontextualisieren, statt zu skandalisieren“ (13). In zehn Beiträgen wird keine abschließende Bilanz geboten, sondern es werden lediglich „Bausteine“ (14) zu seiner Biografie geliefert. Die Herausgeber sind beide Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München-Berlin. Aus dem Inhalt: Jan Eckel: Geschichte als Gegenwartswissenschaft. Eine Skizze zur intellektuellen Biographie von Hans Rothfels (15-38) Wolfgang Neugebauer: Hans Rothfels und Ostmitteleuropa (39-61) Ingo Haar: Anpassung und Versuchung. Hans Rothfels und der Nationalsozialismus (63-81) Peter Th. Walther: Hans Rothfels im amerikanischen Exil (83-96) Christoph Cornelißen: Hans Rothfels, Gerhard Ritter und die Rezeption des 20. Juli 1944. Konzeptionen für ein „neues Deutschland“? (97-120) Thomas Etzemüller: Die „Rothfelsianer“. Zur Homologie von Wissenschaft und Politik (121-144) Hermann Graml: Hans Rothfels und die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte (145-157) Mathias Beer: Hans Rothfels und die Traditionen der deutschen Zeitgeschichte. Eine Skizze (159-190) Heinrich August Winkler: Ein Historiker im Zeitalter der Extreme. Anmerkungen zur Debatte um Hans Rothfels (191-199) Horst Möller: Hans Rothfels – Versuch einer Einordnung (201-206)
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.3122.35 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Johannes Hürter / Hans Woller (Hrsg.): Hans Rothfels und die deutsche Zeitgeschichte München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23804-hans-rothfels-und-die-deutsche-zeitgeschichte_27359, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27359 Rezension drucken
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