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/ 20.06.2013

Herbert Wehner - Moskau 1937

Reinhard Müller

Herbert Wehner - Moskau 1937

Hamburg: Hamburger Edition 2004; 570 S.; geb., 35,- €; ISBN 3-930908-82-4
Müller, Historiker am Hamburger Institut für Sozialforschung, widerlegt auf der Grundlage einer sehr gründlichen Recherche die Legende, Wehner sei während seines Moskauer Exils der Repression ausgesetzt gewesen. Im Gegenteil: Wehner habe mit Publikationen und Berichten an den Geheimdienst das stalinistische System unterstützt, das unter den aus dem Dritten Reich geflohenen Politemigranten zahlreiche Opfer gefordert habe - sie hätten Folter und Lagerhaft erlitten, mehrere seien erschossen worden....
Reinhard Müller

Herbert Wehner - Moskau 1937

Hamburg: Hamburger Edition 2004; 570 S.; geb., 35,- €; ISBN 3-930908-82-4
Müller, Historiker am Hamburger Institut für Sozialforschung, widerlegt auf der Grundlage einer sehr gründlichen Recherche die Legende, Wehner sei während seines Moskauer Exils der Repression ausgesetzt gewesen. Im Gegenteil: Wehner habe mit Publikationen und Berichten an den Geheimdienst das stalinistische System unterstützt, das unter den aus dem Dritten Reich geflohenen Politemigranten zahlreiche Opfer gefordert habe - sie hätten Folter und Lagerhaft erlitten, mehrere seien erschossen worden. Müller belegt dies mit erst jetzt zugänglichen Dokumenten aus Berliner und Moskauer Archiven, von denen 18 im Anhang abgedruckt sind. Deutlich wird, dass Wehner das Konstrukt einer konspirativen Zusammenarbeit zwischen „Trotzkisten“ (zu denen jeder/jede gezählt werden konnte, der in Ungnade fiel) und dem Dritten Reich bereitwillig förderte, mehr noch: Mit seinen Informationen, bei denen er aus seinem hervorragenden Personengedächtnis habe schöpfen können, „ermöglichte [er] den NKWD-Offizieren, das umfassende ‚Feindbild' der ‚deutschen Trotzkisten' überhaupt erst zu konstruieren“ (208). Für Müller besteht kein Zweifel daran, dass Wehner freiwillig und aus Überzeugung mit dem NKWD zusammenarbeitete - als erfahrener KPD-Funktionär wissend, welches Schicksal die Verhafteten erwartete. Er selbst mochte sich nach dem Krieg nicht mehr an diese Zeit erinnern, in seinen 1946 geschriebenen und 1982 veröffentlichen „Notizen“ sei „seine eigene Rolle und die NKWD-Verfolgungslogik völlig“ (255) verschwunden. Die Besuche des Experten in der Lubjanka wurden zu den Verhören eines Opfers umgedeutet.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.622.3122.25 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Reinhard Müller: Herbert Wehner - Moskau 1937 Hamburg: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22567-herbert-wehner---moskau-1937_25748, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25748 Rezension drucken
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