/ 18.06.2013
Victor Trimondi / Victoria Trimondi
Hitler, Buddha, Krishna. Eine unheilige Allianz vom Dritten Reich bis heute
Wien: Ueberreuter 2002; 640 S.; geb., 29,90 €; ISBN 3-8000-3887-0Der Nationalsozialismus war nicht nur eine politische Bewegung, sondern entwickelte sich zunehmend zu einer „politischen Religion". Dabei blickten die NS-Ideologen und mit ihnen kooperierende italienische und französische Faschisten mit besonderer Faszination in den Osten. Dort hofften sie - mehr als in den kulturellen Wurzeln Europas -, die Grundlagen für eine „politische Theologie" zu finden. So importierten sie aus den spirituellen Traditionen Asiens: dem japanischen Zen, den Yogadisziplinen des Frühbuddhismus, den Samurai-Traditionen, den Kriegslehren des Bhagavadgita, der Kastendoktrin und den Göttern Indiens kulturelle Bausteine für eine potentielle „NS-Kirche". Mit einer beachtlichen Fülle von neuen Quellen aus Archiven und NS-Schriften zeigen die Autoren wie die Mythologien und Visionen der spirituellen Tradition Asiens den NS-Größen „Orientierung" für eine Verherrlichung des Krieges, für die Apotheose des Führers und für die Vergöttlichung der arischen Rasse gaben. Dankbar ist man den Autoren, dass sie nicht mit den historischen Untersuchungen enden, sondern sie bis in unsere heutigen Tage weiterführen. So verfolgt das Autorenpaar Spuren des Untergrundes des Nazi-Okkultismus und deckt dabei die Strukturen der weltweiten unheimlichen Kreise wie die der „schwarzen Sonne" und die des SS-Mystizismus auf und zeigt dabei auch Verbindungen des heutigen XIV. Dalai Lama zu alten und neuen Nazi-Größen auf. Im Epilog warnen die Verfasser vor einem unkritischen Import östlicher Religionssysteme in den Westen und dem damit verbundenen weltweiten Aufstieg des Rechtsokkultismus. So eröffnet der Band eine längst fällige kulturkritische Debatte über die unheilige Allianz zwischen dem „westlichen Faschismus" und den „östlichen Mythen".
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 2.312 | 2.25
Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Victor Trimondi / Victoria Trimondi: Hitler, Buddha, Krishna. Wien: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17556-hitler-buddha-krishna_20222, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20222
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Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
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