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/ 17.06.2013
Albert Grzesinski

Im Kampf um die deutsche Republik. Erinnerungen eines Sozialdemokraten. Hrsg. von Eberhard Kolb

München: R. Oldenbourg Verlag 2001 (Schriftenreihe der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte 9); 384 S.; 34,80 €; ISBN 3-486-56591-5
So langsam scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, an dem nicht nur die Totengräber der ersten deutschen Demokratie, sondern auch ihre unermüdlichen und letztlich gescheiterten Verteidiger die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben. Nachdem kürzlich eine gründliche Biographie Grzesinskis von Thomas Albrecht erschienen ist, kommt jetzt der ehemalige preußische Innenminister und Berliner Polizeipräsident selbst zu Wort. Seine Autobiographie ist in der Emigration geschrieben und damals in französischer und, in anderer Form, in englischer Sprache veröffentlicht worden - aber ein deutscher Verleger fand sich nicht. Der Exil-SPD war Grzesinski wohl zu kritisch mit den eigenen Genossen (vor allem Severing), und als der jetzige Herausgeber Kolb schon 1963 (sic!) Versuche unternahm, einen Verlag für das Manuskript zu interessieren, ist er damit gescheitert (9). Inzwischen gibt es zum Glück die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, die schon einige gute Publikationen über die Zeit hat erscheinen lassen. Grzesinskis Werk umfasst seine Biographie von Anfang an, vor allem aber eine pointiert beobachtete Geschichte der preußischen und Berliner SPD in der Weimarer Republik. Den Weltkrieg und die Revolutionszeit hatte Grzesinski in Kassel verbracht, und auch dies wird thematisiert. In seinen Berliner Funktionen stand er im Zentrum der Verteidigung der Republik, und dies wird in der Rückschau leidenschaftlich und nicht ohne Kritik an seinen Mitstreitern berichtet. Man kann verstehen, dass Grzesinski, der nicht an mangelndem Selbstbewusstsein litt, auch in seiner eigenen Partei nicht unumstritten war. Der Herausgeber hat den Text mit einer biographischen Einleitung (11-40) abgerundet, die die Selbsteinschätzungen des Autors in Perspektive bringen, ebenso wie die zahllosen hilfreichen Fußnoten, die Kolb dem Text mitgegeben hat. Am Schluss des Bandes stehen einige wichtige Dokumente, die Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und die Vorgänge um das Ausscheiden Grzesinskis aus der preußischen Regierung und seine Wiederberufung als Polizeipräsident enthalten.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.311 Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Albert Grzesinski: Im Kampf um die deutsche Republik. München: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15935-im-kampf-um-die-deutsche-republik_18223, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18223 Rezension drucken
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