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/ 21.06.2013
Nicole Marianne Grünewald

Keine Angst vor Politikmarken! Evolution und Enttabuisierung eines gesellschaftlichen Phänomens

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009 (Kommunikation in Politik und Wirtschaft 1); 361 S.; brosch., 59,- €; ISBN 978-3-8329-4205-2
Kommunikationswiss. Diss. Münster; Gutachter: J. Westerbarkey, K. Merten. – Politik als Marke zu betrachten, lehnen Politiker öffentlich ab. Inwieweit Kampagnenmanager trotzdem Markenbildung betreiben, ist umstritten und noch unzureichend erforscht. Grünewald untersucht die Entwicklung der Markenbildung in der Politik am Beispiel der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. „Anhand ihrer Reichs- und Bundestagswahlplakate wird analysiert, ob und inwieweit es seit 1893 in der Parteienkommunikation zu einer Markenbildung auf Seiten der SPD gekommen ist.“ (18) Im theoretischen Kapitel diskutiert die Autorin zunächst die Interdependenz von Wirtschaft und Politik und leitet daraus ihre forschungsleitenden Thesen ab. Anschließend zeichnet sie sehr sorgfältig die Entwicklung ihrer zentralen Untersuchungsobjekte Marke und Wahlplakate nach und differenziert diese typologisch bzw. phänomenologisch. Aus dieser Erörterung gewinnt sie die untersuchungsrelevanten Kriterien für die empirische Analyse. Im umfangreichsten Kapitel, das knapp die Hälfte der Arbeit umfasst, skizziert sie die Parteientwicklung der SPD mit Blick auf ihre Wahlkämpfe, wobei sie das distanzierte Verhältnis der Partei zum Thema Marketing herausarbeitet. Im empirischen Kapitel untersucht sie inhaltsanalytisch 286 Wahlplakate aus 30 Wahlkämpfen. Überraschenderweise fallen die einzelnen Analysen trotz einer Reihe von Untersuchungskategorien relativ knapp aus. Grünewald kommt zu dem Ergebnis, dass seit den 60er-Jahren bei der SPD eine Markenbildung einsetzte. Die interessante Längsschnittstudie glänzt insbesondere mit dem sehr langen Untersuchungszeitraum, der in der Politikwissenschaft bei empirischen Studien eine Ausnahme darstellt. Ein Manko ist allerdings, dass die Autorin des Öfteren journalistische Ad-hoc-Bewertungen mit wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnissen gleichsetzt und somit manche Entwicklung im Wahlkampf überzeichnet.
Christoph Busch (CHB)
Dr., Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen.
Rubrizierung: 2.3312.3332.3322.31 Empfohlene Zitierweise: Christoph Busch, Rezension zu: Nicole Marianne Grünewald: Keine Angst vor Politikmarken! Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30831-keine-angst-vor-politikmarken_36636, veröffentlicht am 25.01.2010. Buch-Nr.: 36636 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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