/ 17.06.2013
Theo Stammen
Literatur und Politik. Studien zu ihrem Verhältnis in Deutschland. Vorwort Hans-Otto Mühleisen
Würzburg: Ergon 2001 (Spektrum Politikwissenschaft 20); 304 S.; kart., 31,- €; ISBN 3-935556-82-9Dass das Themenfeld "Literatur und Politik" in der heutigen Politikwissenschaft allenfalls ein Schattendasein führt, ist in der Disziplin gleichermaßen unbestritten wie akzeptiert. Stammen, Emeritus an der Universität Augsburg und Schüler von Hans Maier, erinnert mit Verweis auf seinen Doktorvater Bergstraesser daran, dass dem nicht immer so war. Wie sehr die Analyse der Politik in die Geistes- und Kulturwissenschaften eingebettet sein kann, dokumentiert denn auch eindrücklich Stammens eigenes Oeuvre, beginnend mit seiner Dissertation über das Politische in Goethes Dramen. Sein jüngster Band vereint zwölf vorwiegend während der Neunzigerjahre entstandene Essays, die zumeist auf öffentliche Vorträge zurückgehen. Den thematischen Schwerpunkt bildet die Rolle der Intellektuellen in der Weimarer Republik und ihre Mitschuld am aufhaltsamen Aufstieg des Nationalsozialismus. Schlaglichtartig wird der prekäre Stand der politischen Kultur im Zwischenkriegs-Deutschland erhellt und die Anfälligkeit auch und gerade der (Rechts- und Links-)Intellektuellen für das verbreitete antidemokratische Denken der Zeit aufgezeigt. Ansätze einer normativen Bestimmung der politischen und gesellschaftlichen Rolle von Intellektuellen finden sich in dem noch auf die späten Achtzigerjahre datierenden Beitrag zur zeitkritischen Ordnungsreflexion als Aufgabe der Intellektuellen. Über eine gleichwohl überzeugende formale Bestimmung derselben gelangt allerdings auch Stammen mit seiner eigenen Ordnungsreflexion nicht hinaus. So ist es denn eher der mitunter originelle Blick auf einzelne Dichter und Denker, der den Reiz des Bandes ausmacht (hervorzuheben der Beitrag zu Cassirers Kritik der politischen Romantik), als die systematische Durchdringung des Bedingungsgefüges von Literatur beziehungsweise Intellektualität und Politik.
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.35 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Theo Stammen: Literatur und Politik. Würzburg: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16464-literatur-und-politik_18908, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 18908
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
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