Skip to main content
/ 06.06.2013
Roman Herzog

Marktwirtschaft in der Zwickmühle. Eine Antwort auf naheliegende Fragen

Stuttgart/Leipzig: Hohenheim Verlag 2009; 160 S.; 15,- €; ISBN 978-3-89850-189-7
„Die Marktwirtschaft ist dabei, an Strahlkraft zu verlieren“ (11), vor allem in den Ländern, die seit Langem von einem marktwirtschaftlichen System profitieren, wie etwa in der Bundesrepublik. Das ist für den Staatsrechtler und siebten Bundespräsidenten Herzog nicht nachvollziehbar, habe Deutschland doch mithilfe des marktwirtschaftlichen Systems einen „unglaublichen wirtschaftlichen Aufstieg“ (12) erlebt. Er leitet das nach ihm benannte Institut, das die Arbeit der bayerischen Arbeitgeberverbände begleitet und sich die Förderung der sozialen Marktwirtschaft auf seine Fahnen geschrieben hat. Herzogs Begeisterung für dieses Wirtschaftssystem ist durchgängig zu erkennen. Dozierend erläutert er die Funktionsweise der (sozialen) Marktwirtschaft und das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Staat, wofür bisher noch keine „praktikable Formel“ (52) gefunden worden sei. Die Ursachen der Finanzkrise sieht er keinesfalls im System – sie hätte sich vermeiden lassen, wenn die ihm „ethisch“ (100) innewohnenden Regeln beachtet worden wären. Herzog spricht auch aktuelle Probleme der Marktwirtschaft an: So berge die zunehmende Vergrößerung der Unternehmen die Gefahr, dass sie an Flexibilität und Kreativität einbüßten, was zu Fehlentwicklungen im Gesamtsystem führen könne. Daher sei es wichtig, dass wieder kleinere, kundennähere Unternehmen nachwachsen und es müsse eine „effektive Mittelstandspolitik“ (151) betrieben werden. Im Zuge der Globalisierung dürfe es keine Erhaltungssubventionen für bedrohte Industriezweige geben, sondern neue Wirtschaftszweige sollten unterstützt werden. Die „permanente Innovation“, „das ständige Infragestellen der erreichten Standards“ und die „ständige Suche nach neuen Chancen und Möglichkeiten“ (92) seien geboten. Der Freiheitsspielraum der Wirtschaft und damit der für Kreativität und Innovation müsse erweitert werden, dem entspricht auch seine Forderung nach einer „Verringerung der die Wirtschaft einschränkenden Bestimmungen“ (135). Die „überzeugendsten Hoffnungsträger“ sind für Herzog in politischer Hinsicht die „offene, freiheitliche Gesellschaft“ (115) und in ökonomischer der Markt.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.324.435.335.415.432.2 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Roman Herzog: Marktwirtschaft in der Zwickmühle. Stuttgart/Leipzig: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9101-marktwirtschaft-in-der-zwickmuehle_37208, veröffentlicht am 01.12.2009. Buch-Nr.: 37208 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA