/ 20.06.2013
Jens Ruchatz (Hrsg.)
Mediendiskurse deutsch/deutsch
Weimar: VDG 2005; 276 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-89739-497-1Den wichtigsten Einwand gegen einen einfachen Vergleich der in der DDR und der Bundesrepublik geführten Diskurse über die eigenen Medien und die des anderen Teilstaates führt der Herausgeber in seiner Einleitung – in Anlehnung an Foucault – gleich selbst an: das westliche System sei „durch Diskursproduktion, das östliche hingegen durch Diskursrepression zu kennzeichnen“ (19). Knapp zusammengefasst dienten die Medien im Westen demnach der Information und Unterhaltung, im Osten dagegen hatte ihnen die SED die Aufgabe gestellt, „einen politischen Kampf zu führen“ (so der damalige Chefredakteur des „Neuen Deutschland“, Rudolf Herrnstadt 1950, [Classen, 209]). Diese fundamentalen Unterschiede hindern die Autoren aber nicht daran, die unterschiedlichen Selbstbeschreibungen der deutschen Gesellschaften hüben und drüben zu erkunden. Der Beobachtungszeitraum ist auf die Jahre 1960 bis 1972 begrenzt, im Mittelpunkt steht das Fernsehen. Es zeigt sich, dass beide Teilstaaten die Massenmedien des jeweils anderen genau beobachten, allerdings mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Im Westen seien die (unfreien) Diskurse aus der DDR eher selten wortwörtlich aufgegriffen worden, während die ostdeutschen Beobachter regelmäßig und massiv die Bundesrepublik auf dem Wege des Zitats zu denunzieren versuchten, so Ruchatz. Hervorgegangen ist dieser Band aus dem Projekt am Forschungskolleg „Medien und kulturelle Kommunikation“ der Universität Köln.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.333 | 2.313 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jens Ruchatz (Hrsg.): Mediendiskurse deutsch/deutsch Weimar: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25178-mediendiskurse-deutschdeutsch_29158, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29158
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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