/ 12.06.2013
Axel Honneth / Martin Saar (Hrsg.)
Michel Foucault. Zwischenbilanz einer Rezeption. Frankfurter Foucault-Konferenz 2001
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1617); 381 S.; 14,- €; ISBN 3-518-29217-XDie Zwischenbilanz basiert im Wesentlichen auf einer Foucaulttagung im September 2001 an der Universität Frankfurt am Main, die renommierte Autoren aus Philosophie und diversen Sozialwissenschaften versammelt. Sie belegt damit eindrucksvoll Honneths von Gary Gutting übernommene Aussage, Foucaults Schriften ließen sich „auf die unnachahmliche Synthese von ‚Spezifität' und ‚Marginalität'" (16) zurückführen. Eine besondere Berücksichtigung verdient die Diskussion um den Beitrag von Nancy Fraser, die Foucault als einen Theoretiker des Fordismus liest, weshalb sie angesichts diagnostizierter Deregulierung im Postfordismus für eine „quasi-Foucaultsche Theorie der neuen Form der globalisierten Gouvernementalität" (251) plädiert. Thomas Lemke widerspricht diesem Historisierungsversuch, sieht er doch in den weitgehend unveröffentlichten Arbeiten Foucaults zur Gouvernementalität einen fragmentarischen Entwurf, der die Krise der Disziplinargesellschaft und die Deregulierung im entstehenden Postfordismus bereits diskutiert. Damit wären sich aber letztlich beide Autoren einig, dass Foucaults theoretisches Konzept zur Disziplinargesellschaft angesichts dessen, was als Globalisierung, Flexibilisierung oder Postfordismus ausgemacht worden ist und Deleuze Kontrollgesellschaft nannte, weiterentwickelt werden muss.
Inhalt: I. Werkansichten: Axel Honneth: Foucault und die Humanwissenschaften. Zwischenbilanz einer Rezeption (15-26); Paul Veyne: Michel Foucaults Denken (27-51); Judith Butler: Noch einmal: Körper und Macht (52-67). II. Soziale Kontrolle und Subjektivierung: Hermann Kocyba: Einleitung: Soziale Kontrolle und Subjektivierung (71-76); Ulrich Bröckling: Das demokratische Panopticon. Subjektivierung und Kontrolle im 360°-Feedback (77-93); Susanne Krasmann: Kriminelle Elemente regieren - und produzieren (94-114). III. Genealogie als Kritik: Axel Honneth: Einleitung: Genealogie als Kritik (117-121); David Owen: Kritik und Gefangenschaft. Genealogie und Kritische Theorie (122-144); Raymond Geuss: Kritik, Aufklärung, Genealogie (145-156); Martin Saar: Genealogie und Subjektivität (157-177). IV. Ordnungen des Wissens: Wolfgang Detel: Einleitung: Ordnungen des Wissens (181-191); Arnold I. Davidson: Über Epistemologie und Archäologie. Von Canguilhem zu Foucault (192-211); Lorraine Daston: Gedankensysteme. Kommentar zu Arnold Davidsons: „Über Epistemologie und Archäologie. Von Canguilhem zu Foucault" (212-219); Ulrich Johannes Schneider: Wissensgeschichte, nicht Wissenschaftsgeschichte (220-229). V. Analytik der Politik: Martin Saar: Einleitung: Analytik der Politik (233-238); Nancy Fraser: Von der Disziplin zur Flexibilisierung? Foucault im Spiegel der Globalisierung (239-258); Thomas Lemke: Andere Affirmationen. Gesellschaftsanalyse und Kritik im Postfordismus (259-274). VI. Zwischen Ethik und Ästhetik: Martin Saar: Einleitung: Zwischen Ethik und Ästhetik (277-282); Christoph Menke: Zweierlei Übung. Zum Verhältnis von sozialer Disziplinierung und ästhetischer Existenz (283-299); Heidrun Hesse: „Ästhetik der Existenz". Foucaults Entdeckung des ethischen Selbstverständnisses (300-308). VII. Rückblicke und Perspektiven: Ulrich Brieler: Blind Date. Michel Foucault in der deutschen Geschichtswissenschaft (311-334); Tom Holert: Der Staub und das Bad der Bilder. Foucault als Theoretiker der visuellen Unkultur (335-354); Daniel Defert: Es gibt keine Geschichte des Wahnsinns oder der Sexualität, wie es eine Geschichte des Brotes gibt (355-368).
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Axel Honneth / Martin Saar (Hrsg.): Michel Foucault. Frankfurt a. M.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14184-michel-foucault_20265, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 20265
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
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