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/ 21.06.2013
Reiner Ruffing

Michel Foucault

München: Wilhelm Fink Verlag 2008 (Uni-Taschenbücher: Profile 3000 [ISBN: 978-3-8252-3000-5]); 125 S.; kart., 9,90 €; ISBN 978-3-7705-4608-4
Diese Einführung richtet sich an Leser, die einen ersten Einstieg in Foucaults Philosophie suchen. Ruffing beginnt mit einem kurzen Überblick über deren Entwicklung vor dem Hintergrund der Biografie. Dieser Zugang ist insofern aufschlussreich, da der homosexuelle Foucault zwei Selbstmordversuche verübte und später Themen wie Sexualität und Wahnsinn Bestandteil seiner theoretischen Erörterungen waren. Foucault habe in seinem Werk zwei Thesen zu verdeutlichen versucht, schreibt Ruffing: „Erstens, dass der Umgang mit demjenigen, was in einer Gesellschaft herabgesetzt wird (z. B. der Wahnsinn, die Kriminalität, die Sexualität), etwas Wesentliches über diese Gesellschaft selbst aussagt“ (8). Zweitens, dass gesellschaftliche Praktiken, die meist als selbstverständlich eingeschätzt würden, Folgen einer bestimmten historischen Praxis seien und verändert werden könnten. Außerdem wird in der Einleitung auf Foucaults politisches Engagement seit den 70er-Jahren verwiesen, u. a. gegen die Todesstrafe und für die Dissidenten in den Ländern des Ostblocks, aber auch anfangs für die islamische Revolution im Iran, da er die Modernisierung nach westlichem Muster in den islamischen Ländern als gescheitert ansah. Die weiteren Kapitel sind an den von Foucault selbst verfassten und herausgegebenen Schriften orientiert. Deutlich wird, dass es in seiner Philosophie im Anschluss an Nietzsche „weniger um die Aufdeckung von Wahrheiten weder im Subjekt noch in der Gesellschaft, sondern um eine Veränderung des Menschen und der gesellschaftlichen Verhältnisse“ (7) geht. Eines der für Politikwissenschaftler interessantesten Kapitel dürfte das über die „Geschichte der Gouvernementalität“ (78 f.) sein. Beschrieben wird ein im 18. Jahrhundert installiertes Machtsystem, das sich bis in die Gegenwart transformiert hat in eine Ordnung, in der nicht mehr die Rationalität des Staates, sondern krisenhaft die der bürgerlichen Gesellschaft als Vereinigung von Wirtschafts- und Interessenssubjekten im Mittelpunkt steht.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Reiner Ruffing: Michel Foucault München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29183-michel-foucault_34503, veröffentlicht am 11.09.2008. Buch-Nr.: 34503 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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