/ 12.06.2013
Andreas Khol / Günther Ofner / Stefan Karner / Dietmar Halper (Hrsg.)
Österreichisches Jahrbuch für Politik 2011
Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2012; XVI, 559 S.; 28,90 €; ISBN 978-3-205-78785-3Prominente Vertreter aller Parteien und Verbände sowie Wissenschaftler und Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen haben sich zum 34. Mal bereitgefunden, ein Jahr politisches Geschehen in Österreich Revue passieren zu lassen. Einen Schwerpunkt des Bandes bildet wenig überraschend die Zukunft der Europäischen Union. 2011 steckt Europa weiterhin in der Krise, und die Bewältigung muss auch auf nationaler Ebene erfolgen. So kommen ebenfalls die Beiträge über die Entwicklung der österreichischen Parteienlandschaft – der längste Abschnitt des Bandes – nicht immer ohne Bezug auf die europäische Krisensituation aus. Im Fall von Daniel Kapps „Reality Check“ zur Frage „Wie funktioniert ,Regieren‘“ geschieht das in einem erfrischend saloppen, bisweilen gar sarkastischen Ton, ohne dass die Fakten zurückstehen. Mit Bezug auf mehrere nicht oder nur halbherzig umgesetzte Sparvorhaben der vergangenen Jahre begründet der langjährige Regierungssprecher seine These, dass Regieren gegenwärtig überhaupt nicht funktioniere. „Bestenfalls ,Reagieren‘, und das auch nur in engen Grenzen.“ (98) Weitere Schwerpunkt/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 sind die Schulreform, die Massenmedien und die Lösung der Kärntner Ortstafelfrage. Herausgeber Andreas Khol äußert sich selbst dazu und schildert in seinem Beitrag „politische Begleittöne und politische Motivationslinien“ (242) der Problematik, die nicht nur Kärnten seit 1920 beschäftigt. Er beklagt die wieder und wieder gebrochenen Versprechen gegenüber der slowenischen Volksgruppe und Schlimmeres: „Gesetze und höchstgerichtliche Urteile wurden ganz einfach nicht durchgesetzt, blieben Papier. Der Volksgruppe wurde ihre Ohnmacht jeden Tag aufs Neue serviert“ (245). 2011 wurde eine im Großen und Ganzen akzeptierte Lösung gefunden und umgesetzt, aber die Chance zur Überarbeitung des Volksgruppengesetzes vertan. So endet Khols Beitrag mit der Frage: „Siegt ein neuer, positiver Geist oder der alte, defensive, assimilationsgierige Kleingeist?“ (251) Wer sich nicht daran stört, dass einige Beiträge geprägt sind von Seitenhieben auf den jeweiligen politischen Gegner, der erhält mit dem Jahrbuch einen umfassenden Rundumblick über die österreichische Politik und Zeitgeschichte. Allerdings hätte ein gründlicheres Korrektorat dem Band nicht geschadet.
Simone Winkens (SWI)
M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
Rubrizierung: 2.4 | 2.22 | 2.262 | 2.263 | 2.23 | 4.22
Empfohlene Zitierweise: Simone Winkens, Rezension zu: Andreas Khol / Günther Ofner / Stefan Karner / Dietmar Halper (Hrsg.): Österreichisches Jahrbuch für Politik 2011 Wien/Köln/Weimar: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14560-oesterreichisches-jahrbuch-fuer-politik-2011_43688, veröffentlicht am 05.06.2013.
Buch-Nr.: 43688
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M. A., Politikwissenschaftlerin, Online-Redakteurin.
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