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/ 22.06.2013
Henrik Berggren

Olof Palme. Vor uns liegen wunderbare Tage. Die Biographie. Aus dem Schwedischen von Paul Berf und Susanne Dahmann

München: btb-Verlag 2010; 719 S.; 26,99 €; ISBN 978-3-442-75268-3
Bis heute ist die Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme am 28. Februar 1986 nicht aufgeklärt, die Tat Anlass für zahlreiche, teilweise völlig abwegig erscheinende Spekulationen über Täter und Hintergründe. Zum 25. Todestag erscheint mit dieser Biografie eine umfangreiche Darstellung des Lebens und Wirkens von Palme, die sich in mehrfacher Hinsicht positiv von vergleichbaren Publikationen unterscheidet. Nicht das gewaltsame Ende, zu dem bereits genug Seiten beschrieben worden sind, steht im Vordergrund, sondern eine äußerst detailreiche Darstellung des Lebensweges dieses – auch über die Grenzen des Landes weit hinausstrahlenden – Ausnahmepolitikers. Etwa die Hälfte des Buches ist den frühen prägenden Jahren gewidmet. Der entscheidende Mehrwert der Arbeit liegt dabei auf der konsequenten Einbettung der biografischen Erzählung in eine Darstellung und Analyse ihrer historischen Begleitumstände. Dabei werden durchgehend nicht nur die schwedischen innergesellschaftlichen Rahmenbedingungen betrachtet, sondern auch das internationale Umfeld, in denen das Land und seine Führungspersönlichkeiten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges agieren mussten. Der Werdegang, aber auch die Widersprüchlichkeiten des Politikers Palme werden in einer Tiefe dargestellt, wie es sonst nur selten in Biografien erfolgt. Erst so wird nachvollziehbar, wie der aus großbürgerlichem Elternhaus stammende Palme nicht nur zu einer weltweit vernommenen Stimme für Vernunft, Demokratie und Abrüstung wurde, sondern auch zum Symbol der schwedischen sozialdemokratisch-egalitären Wohlfahrtsgesellschaft. Diese hat er selbst wesentlich mitgestaltet, ihre ersten fundamentalen Erschütterungen noch miterlebt. Dass die Ermordung Palmes für Schweden in mehrfacher Hinsicht eine Zeitenwende darstellte, ließe sich nicht anschaulicher beschreiben. Die knapp 700 Seiten bieten dem Leser nicht nur ein exzellentes biografisches, sondern auch ein länderkundliches Nachschlagewerk.
Thomas Henzschel (TH)
Dr., Auswärtiges Amt, Arbeitsstab Iran.
Rubrizierung: 2.12.61 Empfohlene Zitierweise: Thomas Henzschel, Rezension zu: Henrik Berggren: Olof Palme. München: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33420-olof-palme_39987, veröffentlicht am 04.05.2011. Buch-Nr.: 39987 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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