/ 22.06.2013
Egon Bahr
Ostwärts und nichts vergessen! Kooperation statt Konfrontation. Hrsg. und bearbeitet von Dietlind Klemm
Hamburg: VSA 2012; 198 S.; brosch., 16,80 €; ISBN 978-3-89965-504-9Egon Bahr, unter Willy Brandt einer der Architekten der Ostpolitik, plädiert auf knapp 130 Seiten für eine Neuauflage derselben. Das Buch beginnt mit Bahrs persönlichem Werdegang, von seinen Erlebnissen im Krieg bis hin zum Höhepunkt seiner politischen Karriere. Besondere Aufmerksamkeit kommt dabei den Ostverträgen und der deutschen Einheit zu, die, so Bahr, durch die sozialliberale Ostpolitik erst mit ermöglicht wurde. Neben viel Politischem erfährt man auch Persönliches – das Buch ist damit eher mit Memoiren in Kurzform zu vergleichen. Es ist durchgehend sehr persönlich gehalten – sowohl vom Blickpunkt her als auch in der Tonart. Das macht die Beschreibungen größtenteils interessant, führt aber auch zu manchen Längen. Das letzte Kapitel widmet Bahr einem Blick in die Zukunft. Dabei stellt er die Frage, ob „Wandel durch Annäherung“ noch immer ein probates Mittel der politischen Problemlösung ist – und kommt zu dem Schluss, dass man in der interdependenten Welt von heute an der Beschäftigung mit dem Anderen noch weniger vorbeikommt als noch zu seinen und Brandts Zeiten. Die Proteste in Russland und die angespannten Beziehungen zur Ukraine im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2012 zeigen, dass uns die Länder der ehemaligen Sowjetunion – unsere Nachbarn – noch lange beschäftigen werden; vor diesem Hintergrund gibt „Ostwärts und nichts vergessen“ – teils politisches Buch, teils Memoiren – interessante Einblicke in die Genese der deutschen Ostpolitik.
Marcel Lewicki (LEW)
Student der Politikwissenschaft, Ludwig-Maximilians-Universität München.
Rubrizierung: 2.3 | 4.21 | 2.31 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Marcel Lewicki, Rezension zu: Egon Bahr: Ostwärts und nichts vergessen! Hamburg: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34962-ostwaerts-und-nichts-vergessen_42053, veröffentlicht am 10.05.2012.
Buch-Nr.: 42053
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Student der Politikwissenschaft, Ludwig-Maximilians-Universität München.
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