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/ 17.06.2013
Mi-ae Pak

Patriarchat durch konfuzianische Anstandsnormen. Eine Analyse der traditionellen koreanischen Gesellschaft anhand der Zivilisationstheorie von Norbert Elias

Marburg: Tectum Verlag 2000; 163 S.; 25,46 €; ISBN 3-8288-8128-9
Soziolog. Diss. Augsburg; Gutachter: H. Reimann, D. Waldmann. - Die Verfasserin überprüft die Anwendbarkeit der Zivilisationstheorie von Elias auf eine außereuropäische Gesellschaft am Beispiel des Entstehungs- und Veränderungsprozesses der konfuzianisch-patriarchalischen Herrschaftsideologie in Korea zurzeit der Yi-Dynastie (ab ca. 1390). In einem ersten Schritt rekonstruiert sie Elias' Theorie im Hinblick auf das interdependente Verhältnis von Macht und Norm, welches Elias als "Figuration" bezeichnet. Aus dem ständigen Macht- und Konkurrenzkampf zwischen gesellschaftlichen Schichten entspringen Normen: "Normen sind nicht die Ursache gesellschaftlicher Beziehungen, sondern ihr Resultat" (145). Gleichzeitig werden Normen als Machtinstrument eingesetzt. Elias' Theorie wird dann am westlichen Feudalisierungsprozess im Mittelalter veranschaulicht. In einem zweiten Schritt zeigt die Untersuchung der Yi-Dynastie, dass die äußerlich friedliche, traditionelle, konfuzianische Gesellschaft ebenfalls von kontinuierlichen Machtkämpfen innerhalb der Oberschicht geprägt war. Anstandsnormen wurden als Herrschaftsmittel eingesetzt, der Konfuzianismus wurde zur Herrschaftsideologie und erweiterte nach und nach seinen Wirkungskreis auf die alltäglichen Anstandsnormen in jeder gesellschaftlichen Schicht. Die gesellschaftliche Entwicklung wird also auch hier von einem Interdependenzgeflecht von Norm und Macht angetrieben. Allerdings gehen aus zwei strukturell ähnlichen Entwicklungen zwei unterschiedliche Menschentypen hervor: In der traditionellen konfuzianisch-patriarchalischen Gesellschaft - im Unterschied zur abendländischen - bildet sich aufgrund der in den Anstandsnormen verankerten Vermengung von Politik und Religion sowie von öffentlichem und privatem Bereich kein individualistischer, sondern ein kollektiver Mensch heraus, was insbesondere am Beispiel der Rolle der konfuzianischen Frau veranschaulicht wird.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 2.685.42 Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Mi-ae Pak: Patriarchat durch konfuzianische Anstandsnormen. Marburg: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15264-patriarchat-durch-konfuzianische-anstandsnormen_17352, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 17352 Rezension drucken
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