/ 12.06.2013
Peter Siller / Gerhard Pitz (Hrsg.)
Politik der Gerechtigkeit. Zur praktischen Orientierungskraft eines umkämpften Ideals
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 385 S.; 69,- €; ISBN 978-3-8329-4267-0Kaum ein politisches Thema hat jüngst in Politik und Politikwissenschaft eine solche Konjunktur erlebt wie „Gerechtigkeit“, animiert durch die „Theorie der Gerechtigkeit“ von Rawls. Siller und Pitz haben auf der Grundlage zweier Kongresse der Heinrich-Böll-Stiftung einen Sammelband herausgegeben, der die politische Orientierungskraft des Gerechtigkeitsideals in fünf Kapiteln beleuchtet. Zunächst wird „Gerechtigkeit als Leitidee demokratischer Politik“ (47) normativ diskutiert. Dabei geht es vor allem um „Grundprinzipien einer gerechten Verteilung materieller Güter“ (25). Zu den Autoren gehören Rainer Forst, Stefan Gosepath, Otfried Höffe, Ralf Fücks und Paul Nolte. Mit Ausgrenzung, Teilhabe, Umverteilung und der Neuen Sozialen Frage befassen sich u. a. Heinz Bude, Michael Opielka, Katrin Göring-Eckardt, Renate Künast, Claus Wendt und Stefan Huster. Es geht in diesem Schwerpunktkapitel um Armut in Deutschland, Arbeitslosigkeit in Zeiten der Finanzkrise, um Sozialleistungsempfänger und damit zusammenhängende Exklusion, um Grundprinzipien der sozialen Sicherheit und Gesundheitsgerechtigkeit. Schlaglichtartig wird Generationengerechtigkeit im Zusammenhang mit Demografie, Ökologie, Ökonomie, Sozialstaat, Stadt- und Raumplanung beschrieben. Christoph Butterwegge stellt fest: „Wer in den Ruf nach Generationengerechtigkeit einstimmt, müsste eigentlich darum bemüht sein, dass Heranwachsende auch künftig einen hoch entwickelten Wohlfahrtsstaat und das gewohnte Maß an sozialer Sicherheit vorfinden, statt Letztere immer mehr zu beschneiden“ (252). Spannend ist die künftige Rolle des Staates im Gerechtigkeitsdiskurs. „Der Slogan ‚Institution Matters!’ verweist auf die Notwendigkeit einer neuen Institutionen-Debatte vor dem Hintergrund der globalisierungsbedingten Steuerungsverluste alter Arrangements.“ (9) Autoren wie Erhard Eppler, Peter Siller, Herlinde Pauer-Studer, Stephan Leibfried, Bernhard Zangl und Philipp Genschel diskutieren in diesem Kontext Gerechtigkeitsdefizite. Das Thema Internationale Gerechtigkeit wird im Buch leider nur knapp abgehandelt.
Armin König (AK)
Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
Rubrizierung: 1.3 | 5.42 | 2.23 | 2.21 | 4.43 | 4.44 | 2.3 | 2.331 | 2.342
Empfohlene Zitierweise: Armin König, Rezension zu: Peter Siller / Gerhard Pitz (Hrsg.): Politik der Gerechtigkeit. Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14445-politik-der-gerechtigkeit_37130, veröffentlicht am 23.09.2009.
Buch-Nr.: 37130
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Dr., Verwaltungswissenschaftler, Bürgermeister der Gemeinde Illingen, Dozent Fachhochschule für Verwaltung (FHSV) des Saarlandes.
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