/ 17.06.2013
José Brunner (Hrsg.)
Politische Leidenschaften. Zur Verknüpfung von Macht, Emotion und Vernunft in Deutschland
Göttingen: Wallstein Verlag 2010 (Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 38 [2010]); 317 S.; brosch., 36,- €; ISBN 978-3-8353-0607-3Politik lässt sich nicht allein mit dem Betrachten institutioneller Ordnungssysteme beschreiben. Der Mensch als wesentlicher Faktor kann nicht ignoriert werden. Und dieser hält sich in seinem Vorgehen nicht immer an die Diktion der Vernunft, sondern lässt sich durchaus von Emotionen leiten. Dieser Aspekt des Politischen steht im Mittelpunkt der Ausgabe 2010 des Tel Aviver Jahrbuchs für deutsche Geschichte. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen analysieren die Verhältnisse im Dreieck Macht-Leidenschaft-Vernunft. Die sind Texte in vier thematische Abschnitte unterteilt. Zunächst wird aus historischer Perspektive beleuchtet, inwieweit Akteure durch Leidenschaften beeinflusst wurden. So widmet sich die Kieler Historikerin Birgit Aschmann dem Motiv der nationalen Ehrverletzung für den preußischen Feldzug gegen Frankreich 1806. Im zweiten Abschnitt steht die Beurteilung der Emotion als politischer Faktor durch deutsche Denker im Mittelpunkt. Hierbei werden insbesondere die Überlegungen Max Webers, Theodor Adornos und Arnold Zweigs in Augenschein genommen. Im dritten Teil werden verschiedene Ausgestaltungen von Leidenschaften auf ihre Erfolgsaussichten im politischen Prozess untersucht. Hierzu werden literarische und mediale Inszenierungen auf ihre emotionale und pädagogische Wirkung innerhalb der Bevölkerung durchdrungen. So befasst sich die Historikerin Martina Kessel mit dem Misserfolg eines Heimatfilms. Im vierten Themenbereich werden Leidenschaften im Kontext politischer Rhetorik analysiert. Der Bremer Politikwissenschaftler Frank Nullmeier beschäftigt sich etwa mit der Entwicklung der Sozialstaatsdebatten in der Bundesrepublik. Aus den unterschiedlichen Perspektiven der wissenschaftlichen Texte heraus soll mit diesem Band ein Verständnis dafür geschaffen werden, dass Vernunft, Leidenschaften und auch das Machtprinzip im Politischen stets miteinander verknüpft sind und keine isolierten Phänomene darstellen.
Arne Arps (AA)
M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
Rubrizierung: 2.3 | 2.311 | 2.312 | 2.313 | 2.333 | 2.35 | 4.21 | 5.2 | 5.42 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Arne Arps, Rezension zu: José Brunner (Hrsg.): Politische Leidenschaften. Göttingen: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14849-politische-leidenschaften_38386, veröffentlicht am 28.04.2010.
Buch-Nr.: 38386
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M. A., Doktorand der Politikwissenschaft, Universität Vechta.
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