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/ 20.06.2013
Hans-Dieter Schütt

Regine Hildebrandt. Ich seh doch, was hier los ist. Biographie

Leipzig: Kiepenheuer 2005; 342 S.; 2. Aufl.; geb., 19,90 €; ISBN 3-378-01077-0
Sollte man die Biografie der 2001 an Krebs verstorbenen ehemaligen Sozialministerin Brandenburgs, Regine Hildebrandt, in einem Wort zusammenfassen, dann in diesem: Zivilcourage. In einem sehr persönlich gehaltenen Porträt beschreibt der Journalist Schütt die Sozialdemokratin als einen immer schon gradlinigen Menschen, der keine falschen Kompromisse einging – bis zu dem Entschluss, in Potsdam nicht in einer großen Koalition mit der CDU zu regieren, einer Partei, die zuvor unter Verletzung des demokratischen Anstandes gegen die beliebte Ministerin agitierte hatte. Und davor? Hildebrandt machte ihren Doktor in Biologie, arbeitete maßgeblich an der Versorgung der Diabetiker in der DDR mit, begleitete in ihren Ferien kranke Kinder ins Sommerlager, heiratete einen ehemaligen Bausoldaten und bewahrte ihren Nachwuchs vor den staatlichen Jugendorganisationen. Kuchen für die Klassenfeste backte sie trotzdem. Schütt erzählt anschaulich und ohne falsche Lobhudelei. Bedauerlich mag nur sein, dass ihre Zeit als Ministerin eher oberflächlich geschildert wird, Details aus dieser Zeit des Umbruchs wären sicher auch interessant gewesen. Ihre Politik, so schreibt Schütt, sei vor allem durch zweierlei gekennzeichnet gewesen: Auch wenn sie sich schnell habe in Rage reden können, habe sie sich nie zu falschen Versprechungen hinreißen lassen. Und vielleicht sei bei „ihr nichts so tief verankert [gewesen] wie der Glaube, daß alles gut ausgehen müsse“ (14).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.32.3142.3152.3312.325 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hans-Dieter Schütt: Regine Hildebrandt. Leipzig: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24882-regine-hildebrandt_28762, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 28762 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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