/ 11.06.2013
Anselm Doering-Manteuffel (Hrsg.)
Strukturmerkmale der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts
München: R. Oldenbourg Verlag 2006 (Schriften des Historischen Kollegs: Kolloquien 63); VIII, 273 S.; geb., 39,80 €; ISBN 978-3-486-58057-0Das Arbeitsvorhaben „Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert“ des in Tübingen lehrenden Zeithistorikers Doering-Manteuffel bot 2003 im Historischen Kolleg in München die Gelegenheit zu einem Kolloquium, das sich vor allem drei Themenkreisen widmete: Herrschaft und Politik – Wirtschaft und Gesellschaft – Transformation von Kulturmustern und ideellen Orientierungen. Entsprechend wurde das 20. Jahrhundert aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet: aus politikgeschichtlichen, wirtschafts- und sozialgeschichtlichen sowie ideengeschichtlichen. Das hauptsächliche Interesse galt dabei den historischen Zäsuren, insbesondere dem Bruch des Jahres 1945, der sich im Verlauf des Kolloquiums in seiner „säkularen Bedeutung“ aber schnell „verflüssigte“. Stattdessen rückte die Zeit um 1970 in den Blickpunkt, festgemacht am Bedeutungsverlust der Montanindustrie, die bis dahin in Europa und Nordamerika die industrielle Leitbranche im festen Rahmen des politisch autonomen Einzelstaats gewesen war. Das hatte wirtschaftliche Prosperität, aber auch das „Jahrhundert der Gewalt“ – angedeutet in Stichworten wie industrialisierte Kriegsführung, Totalitarismus und Genozid – ermöglicht. So war die deutsche Entwicklung im 20. Jahrhundert bis in die 70er-Jahre ein „mühevoller Lern- und Anpassungsprozess im Umgang mit der Hochmoderne.“ (16) In den siebziger Jahren aber sei in mehrfacher Hinsicht eine Epoche zu Ende gegangen. Adelheid von Saldern nennt dafür Faktoren wie „die Ölkrise 1973 als Stimulans für eine neue Nachdenklichkeit über Ressourcen [oder] die Zunahme der so genannten Sockelarbeitslosigkeit nach Überwindung einer jeden Konjunkturkrise.“ (206) Vor allem aber: „Das Ende der Fahnenstange namens Sozialstaat wurde erreicht, kostenaufwändige Reformen waren nicht mehr zu realisieren. Der Zauberstab des Keynesianismus verlor seine Wirkkraft, der Abbau des Sozialstaates und der allmähliche Deutungsgewinn des Neoliberalismus begannen seit den achtziger und neunziger Jahre die politische Kultur zu beeinflussen.“ (206)
Klaus Kremb (KK)
Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 2.31 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Anselm Doering-Manteuffel (Hrsg.): Strukturmerkmale der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9536-strukturmerkmale-der-deutschen-geschichte-des-20-jahrhunderts_31054, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31054
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Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
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