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/ 17.06.2013
Werner Wertgen

Vergangenheitsbewältigung: Interpretation und Verantwortung. Ein ethischer Beitrag zu ihrer theoretischen Grundlegung

Paderborn u. a.: Ferdinand Schöningh 2001 (Politik- und Kommunikationswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft 20); 424 S.; kart., 55,22 €; ISBN 3-506-76830-1
Philosoph. Diss. Saarbrücken; Gutachter: K. Hilpert, H. Hoppe. - Das Problem des richtigen Umganges mit schuldhafter Vergangenheit trat in Deutschland insbesondere in Verbindung mit der Aufarbeitung der NS-Verbrechen, aber auch der jüngeren Geschichte der DDR und des Kalten Krieges immer wieder in das öffentliche Bewusstsein. Trotz wiederholter heftiger Debatten über die Deutung deutscher Geschichte und deren politische sowie ethische Konsequenzen für die Gegenwart, so Wertgens Ausgangsthese, gibt es bislang jedoch keinen nennenswerten Versuch einer allgemeinen theoretischen Fundierung von Vergangenheitsbewältigung. Der Autor stellt sich in einem ausgeglichenen Verhältnis der fachlichen Vielschichtigkeit der Problematik. Die interdisziplinäre Studie analysiert zum einen die erkenntnis- und geschichtstheoretischen Fundamente der Interpretation von Vergangenheit und die daraus folgenden Identitätszuschreibungen im persönlichen sowie gesellschaftlichen Kontext. Zum anderen werden die ethisch-anthropologischen Voraussetzungen einer möglichen Handlungstheorie diskutiert, die wiederum die Grundlage für verantwortungsvolle praktische Konsequenzen aus den Geschichtsinterpretationen darstellen. Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen sozialwissenschaftlichen Theorieansätzen wie der Soziobiologie, dem radikalen Konstruktivismus und der Systemtheorie, deren konsequente Anerkennung, so Wertgens, die Bedingungen der Möglichkeit einer erfolgreichen Aufarbeitung der Vergangenheit generell infrage stellen würde. Der "hermeneutisch-moralische Diskurs" (24) ist der grundlegende Mechanismus, den der Autor mithilfe von Ansätzen einer kommunikativen Moralbegründung erarbeitet und dessen praktische Anwendbarkeit er anhand ausgewählter Beispiele moralischer und politischer Auseinandersetzungen zur Aufarbeitung deutscher Geschichte aufzeigt. Inhaltsübersicht: 1. Anthropologische Grundlagen; 2. Handlungstheoretische Klärungen; 3. Erkenntnistheoretische Bedingungen und Mechanismen; 4. Geschichtstheoretische Fundamente; 5. Soziologische Dimensionen; 6. Ethische Kriterien; 7. Praktische Anwendungen.
Andreas Eis (AE)
Jun.-Prof. Dr., Didaktik des politischen Unterrichts und der politischen Bildung, Institut für Sozialwissenschaften Oldenburg, Fakultät I.
Rubrizierung: 5.442.31 Empfohlene Zitierweise: Andreas Eis, Rezension zu: Werner Wertgen: Vergangenheitsbewältigung: Interpretation und Verantwortung. Paderborn u. a.: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15818-vergangenheitsbewaeltigung-interpretation-und-verantwortung_18050, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18050 Rezension drucken
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