/ 21.06.2013
Alfred Grosser
Von Auschwitz nach Jerusalem. Über Deutschland und Israel
Reinbek: Rowohlt 2009; 204 S.; 16,90 €; ISBN 978-3-498-02515-1Der bekannte Politologe und Publizist legt in diesem Buch seine Gedanken über Deutschland und Israel sowie deren Verhältnis zueinander dar. Der Holocaust prägt bis zum heutigen Tag die Beziehungen beider Nationen und Völker, aber auch generell zwischen Juden und Nichtjuden. Damit sind hoch sensible Fragen angesprochen und der Autor fragt kritisch, ob tatsächlich alle moralischen Folgerungen und Haltungen, die gezogen oder eingenommen werden, gerechtfertigt sind. Grosser möchte sich selbst als „Moralpädagoge“ (13) verstanden wissen und illustriert anhand des Beispiels zweier Vorträge, was er damit meint. In einer katholischen Kirche hatte er einmal über die Schuld der Katholischen Kirche an der Machtkonsolidierung der Nationalsozialisten gesprochen, auf einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes über deren Anbiederung gegenüber den Nationalsozialisten noch am 1. Mai 1933. So will der Autor verdeutlichen, dass ihm auch in diesem Buch daran gelegen ist, den jeweiligen Parteien einen Spiegel vorzuhalten. So warnt Grosser vor einer „Absolutsetzung der Shoah“, dies berge die Gefahr, das Leiden und Massensterben von Russen, Chinesen und Afrikanern „mit einer gewissen Portion Rassismus“ (83) zu übersehen. Mit Blick auf den Islam räumt der Autor ein, dass der Koran in einer Grundeinstellung weitergegeben wird, „die man auf christlicher Seite fundamentalistisch nennen würde“ (91). Jedoch kritisiert er auch den Versuch antiislamischer Wissenschaftler die Leistung der islamischen Aufklärung vor sechs- und siebenhundert Jahren kleinzureden. Ebenso differenziert lehnt Grosser die Politik der Hamas ab, fragt jedoch in Bezug auf den Iran, „ob dieser sich nicht anders verhielte, wenn er nicht ausschließlich als Bedrohung gesehen würde“ (134). Er erinnert zudem mit einem Zitat Jürgen Todenhöfers daran, dass vermutlich keine andere Kultur in den vergangenen Jahrhunderten gewalttätiger war als die abendländische.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.63 | 2.312 | 4.1 | 4.41
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Alfred Grosser: Von Auschwitz nach Jerusalem. Reinbek: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31578-von-auschwitz-nach-jerusalem_37607, veröffentlicht am 23.02.2010.
Buch-Nr.: 37607
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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