/ 21.06.2013
Claus Leggewie (Hrsg.)
Von der Politik- zur Gesellschaftsberatung. Neue Wege öffentlicher Konsultation
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007 (Schriftenreihe des Zentrums für Medien und Interaktivität (ZMI) 5); 279 S.; kart., 29,90 €; ISBN 978-3-593-38220-3 Das bislang recht exklusive Verhältnis von Politik und Wissenschaft wird in jüngster Zeit durch wachsende Teilhabeansprüche zivilgesellschaftlicher Akteure sowie den zunehmenden Reputationsverlust expertenbasierter Konsultation in Frage gestellt. Der Begriff der Gesellschaftsberatung impliziert eine Transformation dieses Verhältnisses durch die Einführung deliberativ-demokratischer Verfahren. Demnach berät der Experte nicht direkt die Politik, sondern die interessierte Bürgerschaft, welche anschließend Vorschläge in die politische Arena kommuniziert. Der aus einer Tagung in Gießen 2005 hervorgegangene Sammelband fragt zum einen nach der demokratischen Legitimität neuer Beteiligungsformen, gibt darauf aber keine eindeutige Antwort, schließlich wird dieser Wandel von einem Paradigmenwechsel innerhalb der Demokratietheorie begleitet. Zum anderen sind jedoch auch die zu bewertenden empirischen Realitäten von Interesse. Die Beiträge zeigen, dass Kenntnisse über Macht- und Einfluss-Strukturen von Beratern auf Politik und Gesellschaft sowie ihre Techniken und Wissensbasen noch gering sind und weiterer systematischer Forschung bedürfen. Da Gesellschaftsberatung neue Kommunikationsformen sowohl zwischen Experten und Bürgern als auch innerhalb der Gesellschaft voraussetzt, wird zum dritten das deliberative Potential neuer Medienformate wie Weblogs, Wikis und virtuellen Bürgerkonferenzen untersucht. Die einzelnen Beiträge sind fachlich auf Höhe des Forschungsstandes und bieten neue Thesen, aber auch nützliche Zusammenfassungen. Gleichwohl fällt es schwer, den konkreten Untersuchungsgegenstand des Bandes zu verorten, da – so auch Alfons Bora in seinem Beitrag – die dem Konzept der Gesellschaftsberatung inhärente Spannung zwischen Deliberation als politische Mitsprache und Konsultation als Wissensbereitstellung nicht aufgelöst wird.
Oliver Fritsch (OF)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, National Environmental Research Institute, Universität Aarhus/Dänemark.
Rubrizierung: 5.2
Empfohlene Zitierweise: Oliver Fritsch, Rezension zu: Claus Leggewie (Hrsg.): Von der Politik- zur Gesellschaftsberatung. Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26768-von-der-politik--zur-gesellschaftsberatung_31226, veröffentlicht am 16.08.2007.
Buch-Nr.: 31226
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M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, National Environmental Research Institute, Universität Aarhus/Dänemark.
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