/ 06.06.2013
Hans-Peter Waldrich
Wege aus der Schulmisere. Plädoyer für eine pädagogische und bildungspolitische Wende
Köln: PapyRossa Verlag 2012; 213 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-89438-472-2Bildungspolitische Debattenbeiträge kommen offenbar nicht ohne gewisse Schwarz‑Weiß‑Argumentationsmuster aus. In aufklärerischer und informativer Weise will Waldrich Mut machen „zu einer schnellen und konsequenten Wende“ im deutschen Schulwesen. Denn dies sei – auch im internationalen Vergleich – „ineffizient und rückständig“ (10). Jedem seiner zehn Kapitel stellt der Autor eine mehr oder weniger provokante These voran. Dabei referiert Waldrich pointiert und zum Teil etwas polemisch den aktuellen Stand der bildungs‑ und schulpolitischen Reformdebatte. Die Argumentation lässt dabei eine gewisse Nähe des Autors zum überparteilichen und bundesweit aktiven Verein Aktion Humane Schule erkennbar werden. So verwundert es kaum, wenn sich Waldrich dagegen ausspricht, Schülerinnen und Schüler „permanent mit Ziffernnoten zu traktieren“ (12). Stattdessen setzt er sich dafür ein, dass Schule einen Beitrag zur notwendigen „Identitätsarbeit“ (20) der ihr Anempfohlenen leisten sollte. Denn angesichts der veränderten gesellschaftlichen und familiären Strukturen habe Schule Erziehungsaufgaben zu kompensieren, die an anderer Stelle nicht mehr geleistet würden. Um sich diesen neuen Aufgaben zu stellen, bedarf es aus Waldrichs Sicht nicht nur eines neuen Lehrerbildes, sondern auch einer neuen Schulstruktur. Die Forschung habe gezeigt, dass „die Schulstruktur direkte Auswirkungen auf die Schulqualität“ (36) habe. In diesem Kontext hält der Autor ein flammendes Plädoyer für die Einführung einer Gemeinschaftsschule sowie für verstärkte Anstrengungen im Bereich der frühkindlichen Bildung, um so die soziale Segregation in Deutschland zu überwinden. Seine Argumentation untermauert Waldrich mit Aussagen mehr oder weniger prominenter Kronzeugen. Deren zum Teil sehr verkürzte Statements werden in extra grau unterlegten Kästen dargestellt, um den Textfluss nicht zu unterbrechen. Dass sich dabei die sicherlich nicht ganz unberechtigte Kritik an einer weiteren Ökonomisierung des Bildungswesens manchmal auf zweifelhafte Quellen beruft und etwas holzschnittartig gerät, ist misslich. Denn auf diese Weise wird die auch sonst zum Teil sehr apodiktisch und verhärmt geführte bildungspolitische Debatte in der Bundesrepublik nur um einen weiteren Beitrag reicher.
Henrik Scheller (HS)
Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.343
Empfohlene Zitierweise: Henrik Scheller, Rezension zu: Hans-Peter Waldrich: Wege aus der Schulmisere. Köln: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9189-wege-aus-der-schulmisere_42745, veröffentlicht am 10.01.2013.
Buch-Nr.: 42745
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Dr. phil., Dipl.-Politologe, wiss. Mitarbeiter, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Politik und Regieren in Deutschland und Europa, Universität Potsdam.
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