/ 06.06.2013
Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.)
Zeitenwende im arabischen Raum. Welche Antwort findet Europa?
Wien/Berlin: Lit 2012 (Dialog: Beiträge zur Friedensforschung 61); 333 S.; 9,80 €; ISBN 978-3-643-50362-6Im Juli 2011 diskutierten Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlichster Wissenschaftsdisziplinen, Medien, militärischer sowie humanitärer und anderer zivilgesellschaftlicher Organisationen und Think Tanks auf Burg Schlaining über Ursachen, Zusammenhänge und Perspektiven der jüngsten Entwicklungen in der arabischen Welt. Der Sammelband dokumentiert die Ergebnisse dieser 28. Internationalen Sommerakademie des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung und stellt sie einem größeren Publikum zur Verfügung. An dieser Stelle sei auf zwei Artikel verwiesen, die sich wichtigen, aber innerhalb der Debatte um den Arabischen Frühling nur marginal beleuchteten Momenten widmen: Reza Nourbakhch-Sabet macht in seinem Artikel deutlich, dass es zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine starke Frauenbewegung in Ägypten gab, dieser Fakt jedoch oftmals in (populär-)wissenschaftlichen Betrachtungen über die derzeitige Rolle der Frauen in diesem Land unterbelichtet bleibt. Der Autor möchte dies ändern und plädiert für stärker in historische Kontexte eingebettete Erklärungsansätze, anstatt die aktuelle Gesellschaftsordnung Ägyptens ausschließlich über kulturalistische Ansätze zu erfassen. Damit würde auch der ethnozentrischen Sichtweise vorgebeugt werden, die den Islam kausal und unterkomplex mit Frauenunterdrückung gleichsetze. Anhand von im April und Mai 2011 geführten Interviews zeigt der Autor, dass sich ägyptische Frauen eines neuen Selbstbewusstseins bemächtigen und verbindet mit dieser Entwicklung die Hoffnung, dass sich die Geschlechterverhältnisse aufbrechen lassen. Karin Kneissl diskutiert in ihrem Beitrag die aktuellen Entwicklungen in Nahost unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen auf Israel. Wenngleich sie ihre Betrachtungen als eine Momentaufnahme verstanden wissen möchte, die von den politischen Ereignissen eingeholt werden kann, hält sie es für möglich, dass die Palästinafrage ins Zentrum internationaler Aufmerksamkeit rückt. Diese Prognose rekurriert u. a. auf die Tatsache, dass Israel mit dem Sturz Mubaraks seinen zuverlässigsten regionalen Partner verloren hat und auch in der strategischen Partnerschaft mit der Türkei seit Mitte 2010 Risse zu erkennen sind.
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.63 | 2.22 | 2.25 | 4.1 | 4.2 | 2.23 | 2.27 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Österreichisches Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung (Hrsg.): Zeitenwende im arabischen Raum. Wien/Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9186-zeitenwende-im-arabischen-raum_42618, veröffentlicht am 06.12.2012.
Buch-Nr.: 42618
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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