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/ 20.06.2013

Das kosmopolitische Europa

Ulrich Beck / Edgar Grande

Das kosmopolitische Europa. Gesellschaft und Politik in der Zweiten Moderne

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2004 (Edition Zweite Moderne); 428 S.; kart., 18,- €; ISBN 3-518-41647-2
In dem letzten Teil der Trilogie zum „kosmopolitischen Realismus" (Band 1 siehe ZPol 3/03: 1.353; Band 2 siehe ZPol 4/04: 1.598 f.) versuchen Beck und Grande, „die Europäisierung im Lichte der Theorie reflexiver Modernisierung zu begreifen und theoretisch und politisch neu zu bestimmen" (7). Bürger, Politiker und Sozialwissenschaftler würden die Europäische Union verkennen, weil sie noch immer durch die nationale Brille schauten. Beck und Grande schlagen mit ihrem Konzept eines ̶...
Ulrich Beck / Edgar Grande

Das kosmopolitische Europa. Gesellschaft und Politik in der Zweiten Moderne

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2004 (Edition Zweite Moderne); 428 S.; kart., 18,- €; ISBN 3-518-41647-2
In dem letzten Teil der Trilogie zum „kosmopolitischen Realismus" (Band 1 siehe ZPol 3/03: 1.353; Band 2 siehe ZPol 4/04: 1.598 f.) versuchen Beck und Grande, „die Europäisierung im Lichte der Theorie reflexiver Modernisierung zu begreifen und theoretisch und politisch neu zu bestimmen" (7). Bürger, Politiker und Sozialwissenschaftler würden die Europäische Union verkennen, weil sie noch immer durch die nationale Brille schauten. Beck und Grande schlagen mit ihrem Konzept eines „kosmopolitischen Europas" stattdessen ein neues Selbstverständnis vor: „Der Kosmopolitismus kombiniert die Wertschätzung von Differenz und Andersartigkeit mit den Bemühungen, neue demokratische Formen der politischen Herrschaft jenseits der Nationalstaaten zu konzipieren" (25). Beck und Grande benutzen den Begriff hier in Bezug auf den gesellschaftlichen Umgang mit kultureller Differenz, zugleich deuten sie die gesamte europäische Integrationsgeschichte als politischen Prozess eines „institutionellen Kosmopolitismus" (76). Die reflexive Modernisierung Europas gehe mit einem weltweiten Strukturbruch einher, in dem nationale Institutionen ersetzt und ergänzt werden. Zur Beschreibung Europas als politisches und soziales Gebilde übernehmen die Autoren den „Empire"-Begriff von Hardt und Negri (siehe ZPol 4/03: 2.343). Beck und Grande beklagen eine Europablindheit - insbesondere der Soziologie; es würde nicht nach einer europäischen Gesellschaft gefragt, sondern nur nach Gemeinsamkeiten der Nationen gesucht. Damit setzen sie Letztere bereits als gegeben voraus und ignorieren die empirische Forschung zu dem Thema, nach der das Postulat einer europäischen Gesellschaft als ausgesprochen voreilig gelten muss. Des Weiteren konstatieren Beck und Grande eine „Begriffsleere" (150), die sie offenbar mit einer Begriffsflut in ihrem Buch kompensieren wollen. Ihr kosmopolitischer Realismus ist ein aktueller Ansatz, der aber trotz seiner Bezeichnung - nicht zuletzt aufgrund seines hohen Anspruchs an die Bürger - der Wirklichkeit nicht gerecht wird.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 3.1 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Ulrich Beck / Edgar Grande: Das kosmopolitische Europa. Frankfurt a. M.: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22636-das-kosmopolitische-europa_25829, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25829 Rezension drucken
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