/ 07.06.2013
Frédéric Bardeau / Nicolas Danet
Anonymous. Von der Spaßbewegung zur Medienguerilla. Aus dem Französischen von Bernhard Schmid
Münster: Unrast 2012; 168 S.; 13,- €; ISBN 978-3-89771-531-8„Anonymous ist ein Sammelpunkt, der uneinheitliche Meinungen und Bewegungen bündelt, deren gemeinsame Konsistenz dank der Ethik des ‚Tuns‘ aufrechterhalten wird und die im Laufe der hier und dort in der Welt gestarteten Operationen zusammenkommen“ (151), schreiben Frédéric Bardeau, Internetexperte und Analyst der Cyberkultur, und Nicolas Danet, Informatiker und Kommunikationswissenschaftler. Sie verweisen zwar auch auf den großen Makel der mangelnden Definierbarkeit der Bewegung – eine Begriffserklärung ähnele „dem Versuch, ein feuchtes Stück Seife zu fassen zu bekommen“ (97). Dennoch zeichnen Bardeau und Danet ein strukturiertes Bild der Entstehung, zeigen entscheidende Faktoren der Entwicklung auf und entwerfen für die Bewegung Zukunftsszenarien. Demnach geht Anonymous auf die frühe Cyberkultur zurück, die Grundlagen der heutigen Hackerkultur liegen „irgendwo zwischen Popmusik und Hippie-Utopie“ (10). Anonymous bildete sich dann aus dem Imageboard „4chan“ heraus und entwickelte mit der Zeit neben dem Lulz, der „Mischung aus Schadenfreude und Zynismus“ (72), auch ein politisches Profil – immer getragen von dem Gedanken, die Anonymität der Mitglieder zu gewährleisten, denn „[h]ierin liegt zweifellos das Magische der Gruppe“ (68). Eine größere mediale Beachtung erfuhr die Bewegung mit dem Aufkommen von Wikileaks. Anonymous übernahm dabei die Rolle des Teils der Weltbevölkerung, „der dazu neigt, immer mehr Transparenz [in öffentlichen politischen Angelegenheiten] einzufordern“ (93), wobei die Hartnäckigkeit und Verbreitung von Inhalten durch ihre Mitglieder die stärkste Waffe in der Durchsetzung der Inhalte darstellt. Diese Öffnung des „Hacktivismus“ (28) zur Welt hin führt die Autoren zu verschiedenen Zukunftsszenarien und der Frage, ob Anonymous die Welt verändern kann – sie stufen dies als durchaus möglich ein. Die mangelhafte Zitation und viele Querverweise auf Wikipedia, das Einbeziehen unbedeutender Anekdoten sowie die zahlreichen Einschübe des Übersetzers schmälern den wissenschaftlichen Anspruch des Bandes. Ansonsten aber haben die Autoren ein strukturiertes und detailliertes Werk über diese neue Bewegung verfasst, über einen „Akteur, der nicht davor zurückschreckte, den Mächtigen gegenüberzutreten“ (91).
Vincent Wolff (VW)
Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
Rubrizierung: 2.22
Empfohlene Zitierweise: Vincent Wolff, Rezension zu: Frédéric Bardeau / Nicolas Danet: Anonymous. Münster: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9235-anonymous_43201, veröffentlicht am 17.01.2013.
Buch-Nr.: 43201
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Student der Politikwissenschaft, Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie, Universität Bonn.
CC-BY-NC-SA