/ 18.06.2013
Klaus Lompe / Antje Blöcker / Bernd Marquardt / Peter Rölke / Hinrich Weis
Bilanz und Perspektiven der Montanmitbestimmung. Entwicklungen, Erfahrungen, Herausforderungen
Berlin: edition sigma 2003 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 45); 405 S.; 22,90 €; ISBN 3-89404-976-6Im Rahmen der Reform des Betriebsverfassungsgesetzes im Jahr 2001 rückte auch die Montanmitbestimmung als ältestes Modell der Unternehmensmitbestimmung in die aktuelle Diskussion. Seit 1951 sieht das Gesetz die paritätische Besetzung des Aufsichtsrates durch Vertreter der Arbeitnehmer und Anteilseigner in Unternehmen des Bergbaus und der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie mit mehr als 1.000 Arbeitnehmern vor. Die Montanmitbestimmung habe sich als tragender Pfeiler der industriellen Beziehungen in Deutschland bewährt. Doch mit dem Schrumpfen des Montansektors stelle sich immer mehr die Frage, ob diese Mitbestimmungsform auf der Unternehmensebene ein „anachronistisches Auslaufmodell" (8) sei oder aber als gutes Beispiel eine Ausstrahlungskraft für eine weitere Verbreitung habe. An dieser Stelle setzt die empirische Studie an. Die Praxis der Montanmitbestimmung wird anhand von zwei Unternehmen (Salzgitter AG und EKO Stahl GmbH) an vier Standorten untersucht. Die Autorin und die Autoren der methodisch einwandfreien Analyse kommen zu differenzierten Resultaten: Die bisherigen Erfahrungen mit der Montanmitbestimmung werden in den Betrieben als positiv beurteilt. Hinsichtlich der Zukunft ist die Zuversicht jedoch geringer. Die Montanmitbestimmung sei dann ein Auslaufmodell, „wenn der gesetzlich definierte Anwendungsbereich weiter schrumpft, sich immer mehr Unternehmen mittels heute gängiger Restrukturierungen dem Gesetz entziehen und wenn die Unternehmen, die ihre Mitbestimmungspraxis an das Montanmodell anlehnen (wie z. B. Volkswagen) in Sachen Mitbestimmung den Rückwärtsgang einlegen" (12). Erst wenn es gelinge, die Vorzüge der Montanmitbestimmung als ein humanes und wirtschaftlich effizientes Modell stärker als bisher in der Öffentlichkeit zu zeigen, sei das Modell zukunftsträchtig.
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Klaus Lompe / Antje Blöcker / Bernd Marquardt / Peter Rölke / Hinrich Weis: Bilanz und Perspektiven der Montanmitbestimmung. Berlin: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18853-bilanz-und-perspektiven-der-montanmitbestimmung_21872, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21872
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
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