/ 20.06.2013
Reinhard Mohr
Das Deutschlandgefühl. Eine Heimatkunde
Reinbek: Rowohlt 2005; 223 S.; 14,90 €; ISBN 3-498-04501-6Mohr, Jahrgang 55, hat sich schon 1992 eine Heimat geschaffen, als er die 78er-Generation erfand. Die Zaungäste der 68er scheinen nun nach mehr zu verlangen, die Singles der Bundesrepublik suchen ein Bekenntnis zu Deutschland. Ihr national geläuterter Vertreter war längere Zeit Kulturredakteur für den „Spiegel“ und schreibt neuerdings für den „Stern“. Seine Heimatkunde nennt er einen „feuilletonistischen Essay“ (11), wohl auch in dem Sinne eines Parforceritts durch die Feuilletons. Er schreibt gegen jedweden Pessimismus in Deutschland an, den er in mannigfaltigen Formen offen legt; da geht es um trübe Novembertage, Riesling, das Sinfonieorchestersterben, die Homo-Ehe oder den Konsenswahn der Politik, um nur eine Anzahl von Themen zu nennen, die Mohr auf einer Seite unterbringt. Man bekommt also ein launiges Sammelsurium, das mit seinem Stakkato für eine kurze Weile zum Blättern einlädt und so manches Schmunzeln entlockt. Das geschichtliche Gewissen wird dabei nicht ausgeschaltet: Wer über Autobahnen schimpft, die nicht mehr sind, was sie einmal waren, verliert auch über Hitler noch ein Wort. 78er legen ihr schlechtes Gewissen so leicht nicht ab.
Guido Koch (GK)
Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Guido Koch, Rezension zu: Reinhard Mohr: Das Deutschlandgefühl. Reinbek: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24805-das-deutschlandgefuehl_28675, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28675
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Dr., Politikwissenschaftler, Qualitätsmanagment, GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften.
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