/ 21.06.2013
Erik Harms
Der kommunikative Stil der Grünen im historischen Wandel. Eine Überblicksdarstellung am Beispiel dreier Bundestagswahlprogramme
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Arbeiten zu Diskurs und Stil 9); 149 S.; brosch., 34,- €; ISBN 978-3-631-57648-9Germanist. Diss. Saarbrücken; Gutachter: B. Sandig, L. Götze. – Seit ihrer Gründung im Jahr 1980 haben sich die Grünen sukzessive von einer „systemkritischen Bewegungspartei zu einer Parlamentspartei traditionellen Typs“ (10) entwickelt. Harms’ These lautet, dass sich dieser Wandel im kommunikativen Stil der Grünen widerspiegelt. Er untersucht drei Bundestagswahlprogramme der Partei aus den Jahren 1987, 1994 und 2002 mithilfe der „sprachpragmatisch-handlungstheoretischen Stilistik Sandig'scher Prägung“. Stil wird demnach als „sozial bedeutsame Art der kommunikativen Handlungsführung“ (16) verstanden. Die Gesamtheit aller verwendeten Stilelemente machen den Stil aus, dazu gehört etwa auch die Art der visuellen Gestaltung eines Textes oder die Wahl von Phraseologismen (feste Mehrwortverbindungen, Redensarten etc.). Drei kommunikative Stile der Grünen identifiziert der Autor: Im Bundestagswahlkampf 1987 stellten die aktiven Anhänger der Neuen Sozialen Bewegungen die relevante Wählergruppe der Grünen dar, folglich erwarteten diese von den Grünen, dass das Bundestagswahlprogramm auch ihre Handschrift trägt. Harms beschreibt diesen Stil mit der Haltung „Sei systemkritisch!“ Alle kommunikativen Mittel dieses Programms lassen sich dem Stil der Neuen Sozialen Bewegungen zuordnen. Den Wahlkampf 1994 habe der „Stil des realistischen Nonkonformismus“ (14) bestimmt. Typisch sei die Gestaltungsmaxime gewesen „Sei systemkritisch! – bestätige und verneine (durch die Art, wie du dein Bundestagswahlprogramm realisierst) diese Regel!“ (127) Nach dem Eintritt in die Bundesregierung 1998 habe sich ein programmatischer Wandel vollzogen, die Grünen hätten alle kompromisslosen Maximalforderungen, die sie im Wahlkampf erhoben hatten, zurückgezogen. Das habe sich im Wahlprogramm 2002 gespiegelt, der durch den „Stil des Nur-noch-Pragmatismus“ (15) geprägt gewesen sei.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Erik Harms: Der kommunikative Stil der Grünen im historischen Wandel. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30100-der-kommunikative-stil-der-gruenen-im-historischen-wandel_35685, veröffentlicht am 26.02.2009.
Buch-Nr.: 35685
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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