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/ 21.06.2013
Georg Paul Hefty

Die CSU an der Wegscheide

München: Olzog 2007; 123 S.; pb., 12,90 €; ISBN 978-3-7892-8226-3
Diese Begutachtung der CSU bietet eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Situation und erhellende Einblicke über die Tagespolitik hinaus. Der FAZ-Redakteur Hefty konzentriert sich auf die wichtigsten Akteure, deren Zahl er als überschaubar einschätzt. Etwa „zwei Dutzend natürliche, leibhaftige Personen“ seien die tatsächlichen Entscheidungsträger und zögen die Übrigen der Zweihundert mit, „die mit förmlicher Berechtigung oder dank ihres förmlichen Gewichts über den Aufstieg und den Abstieg des Parteivorsitzenden und des von der CSU gestellten bayerischen Ministerpräsidenten entscheiden“ (10) – und darüber, ob sich zwei Politiker diese Positionen teilen müssen. Dieses Spannungsverhältnis zwischen Ministerpräsident und Parteivorsitzendem spielt in der gesamten Betrachtung der Parteigeschichte eine wichtige Rolle. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich daraus, dass „die CSU [...] mit dem Widerspruch, eine Regionalpartei mit gesamtstaatlichem Anspruch zu sein, nie dauerhaft zu Rande gekommen [ist]“ (32). Nie seien ausreichende organisatorische Vorkehrungen getroffen worden, schreibt Hefty, um das Regieren in Bayern und das Mitregieren im Bund gleichberechtigt verfolgen zu können. Er konstatiert nebenbei auch, dass die CSU-Strategen nie zu Ende gedacht hätten, „dass ein Kanzler der CSU stets ein Gefangener der CDU-Fraktionsmehrheit“ (57) geblieben wäre. Mit professioneller Distanz widmet sich Hefty den CSUlern der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart, u. a. Gabriele Pauli, die nur einem politisch bereits lädierten Stoiber habe schaden können. Seine Schlüsse kann der Leser selbst ziehen – etwa daraus, dass Stoiber das Angebot von Kanzler Schröder ablehnte, Präsident der Europäischen Kommission zu werden, und sich stattdessen lieber den CSU-Vorsitz über die nächsten Jahre retten wollte. Als wirtschaftspolitischer Superminister unter Merkel sei er u. a. doch nicht angetreten, schreibt Hefty, weil er unter den Anwärtern für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten ein politisches Blutbad habe verhindern wollen. Für die Zukunft empfiehlt er der CSU vor allem eines: Weitblick.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3312.325 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Georg Paul Hefty: Die CSU an der Wegscheide München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28738-die-csu-an-der-wegscheide_33899, veröffentlicht am 09.04.2008. Buch-Nr.: 33899 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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