/ 20.06.2013
Hans Mathias Kepplinger
Die Mechanismen der Skandalierung. Die Macht der Medien und die Möglichkeiten der Betroffenen
München: Olzog 2005; 176 S.; 2., akt. Aufl.; hardc., 18,50 €; ISBN 3-7892-8148-4Skandale sind außerordentlich mediengängig. Fehlverhalten von einflussreichen Personen oder Organisationen zieht die Aufmerksamkeit der Journalisten ebenso auf sich wie die des Publikums. Allerdings sind Skandale nicht einfach interpretierbar, stets sind unterschiedliche Akteure und Perspektiven – Skandalierer, Skandalierte, Öffentlichkeit – miteinander verflochten, und vielfach entwickeln Skandale eine eigene, schwer kontrollierbare Dynamik. Kepplinger, Professor für Empirische Kommunikationswissenschaft in Mainz, interessiert sich vor allem für die Mechanismen der Skandalierung. An etlichen, auch aktuellen Beispielen – wie der Annahme anonymer Parteispenden durch Helmut Kohl, der früheren Zugehörigkeit Joschka Fischers zur gewaltbereiten Protestszene, dem Kokainkonsum von Prominenten oder der geplanten Versenkung der Ölplattform Brent Spar der Shell AG – versucht der Autor zu zeigen, dass „nicht der Missstand [...] den Skandal aus[macht], sondern die kollektive Sichtweise“ (25). Hierfür macht Kepplinger primär sozialpsychologische Mechanismen verantwortlich, weniger Fragen der jeweils verletzten Norm oder der Wahrheit des als skandalös Behaupteten. In dieser empirischen Perspektive sind Skandale letztlich spezielle kommunikative Prozesse mit hohem narrativem Anteil und die „Skandalierer sind viel eher Künstler als Analytiker“ (145). Schon deswegen beurteilt der Autor Annahmen über die gesellschaftliche Funktion von Skandalen als Selbstregulierungskräfte der Öffentlichkeit außerordentlich skeptisch.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.333 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Hans Mathias Kepplinger: Die Mechanismen der Skandalierung. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23866-die-mechanismen-der-skandalierung_27433, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 27433
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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