/ 18.06.2013
Kai Hafez
Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 1: Theoretische Grundlagen
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2002; 211 S.; brosch., 31,- €; ISBN 3-7890-7737-2Sozialwiss. Habilitationsschrift Hamburg; Gutachter: U. Steinbach, H. J. Kleinsteuber. - Im ersten Band seiner umfangreichen Arbeit entwickelt Hafez eine Theorie der Auslandsberichterstattung, die ihm als Ausgangs- und Referenzpunkt für die empirische Erforschung des Nahost- und Islambilds der deutschen Presse in Band 2 dient. Der Verfasser bedient sich dabei eines so bezeichneten rekonstruktivistischen Verfahrens, das die Naivität des realistischen Paradigmas überwinden möchte, ohne aber, wie der radikale Konstruktivismus, die Existenz einer außermedialen Realität zu bestreiten. In einem Dreischnitt wird zunächst die Medienrealität mit inhaltsanalytischen Verfahren re-rekonstruiert. Dieser wird dann ein wissenschaftlicher Alternativentwurf der außermedialen Realität gegenüber gestellt, um schließlich die erkennbar werdenden Diskrepanzen zu erklären.
Im Zentrum der Theoriebildung steht ein Drei-Ebenen-Modell der Auslandsberichterstattung. Auf der Mikroebene erweisen sich die politische und berufliche Sozialisation des Journalisten als zentrale Bestimmungsfaktoren zunächst für sein "Auslandsbild" und darüber vermittelt auch für seine Berichterstattung. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Auslandskorrespondenten werden auf der Mesoebene der Medienorganisation jedoch wesentlich durch verlegerische und redaktionelle Vorgaben limitiert. Gravierenden Beschränkungen unterliegen zudem die Zentralredaktionen, die maßgeblich auf - ihrerseits erheblichen constraints unterworfene - Nachrichtenagenturen sowie andere externe Informationsquellen angewiesen sind. Auf der für Hafez Theoriegebäude zentralen Makroebene steht die Auslandsberichterstattung im Spannungsfeld von nationalem politischen System und ausgewählten gesellschaftlichen Kräften und Einstellungen. Zu Recht wird dabei auf die überwiegende Wahrnehmung auswärtiger Ereignisse durch die Brille des jeweiligen nationalen Systems verwiesen. Diese nationale und kulturelle Prägung des Auslandsbilds wird sowohl durch die für Auslands/index.php?option=com_content&view=article&id=41317 konstatierte "Strukturschwäche der organisierten Öffentlichkeit" (184) als auch durch den Mangel an transnationalen Politik- und Wahrnehmungsstrukturen begünstigt. Gleichwohl kommt innenpolitischen Anschlussdiskursen im Zeitalter der Globalisierung eine immer größere Bedeutung für die Auslandsberichterstattung zu. Entsprechend groß fällt mittlerweile die Schnittmenge zur Inlandsberichterstattung aus.
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.333
Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Kai Hafez: Die politische Dimension der Auslandsberichterstattung. Band 1: Theoretische Grundlagen Baden-Baden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17347-die-politische-dimension-der-auslandsberichterstattung-band-1-theoretische-grundlagen_19962, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19962
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
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