Skip to main content
/ 12.06.2013
Uwe Kröcher

Die Renaissance des Regionalen. Zur Kritik der Regionalisierungseuphorie in Ökonomie und Gesellschaft

Münster: Westfälisches Dampfboot 2007 (Raumproduktionen: Theorie und gesellschaftliche Praxis 2); 343 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-89691-660-0
Diss. Oldenburg. – Der Begriff des Raumes und insbesondere des Regionalen erfährt seit rund 20 Jahren auch in der Politikwissenschaft eine ungeahnte Konjunktur. Ökonomische Globalisierung und Prozesse von (Re-)Regionalisierung werden in diesem Zusammenhang vermehrt als zwei Seiten ein und derselben Medaille beschrieben. Die notwendige Interdisziplinarität solcher Analysen führt dabei oftmals zu Pauschalisierungen und abstrakten Verallgemeinerungen: Während es der Wirtschaftsgeografie zuweilen an einer umfassenden gesellschaftstheoretischen Einordnung ihrer Arbeiten mangelt, fehlt es der Politikwissenschaft meist an einer überprüfbaren Definition von „Raum“. Es gibt kaum Studien, die jenseits von Allgemeinplätzen eine konzeptionelle Überprüfung der Regionalisierungsthese vornehmen. Diese Lücke will der Autor füllen. Die ausführliche Gegenüberstellung unterschiedlicher theoretischer und empirischer Studien, deren Raumbegriffe und Operationalisierungen ermöglicht ihm eine kritische, aber fundierte und konstruktive Betrachtung von politischen und sozialen Prozessen und deren inhärenten Widersprüchlichkeiten. Insbesondere zeigt er auf, dass die gängigen Argumente gleichermaßen für das Aufzeigen eines Bedeutungsgewinns wie -verlustes der regionalen Ebene verwendet werden könnten und die gängigen Schlussfolgerungen somit oftmals mehr politisch motiviert denn empirisch fundiert sind. Die dem new regionalism inhärente „Überbetonung des Physisch-Räumlichen gegenüber dem Gesellschaftlichen“ (278) und die damit verbundene Konzeptionalisierung der Region als homogen wie auch als eigenständiger Akteur reihe sich damit zwar in ein ökonomisches Wettbewerbspostulat ein, verkenne aber die Einbettung der Region in vielfache dynamische, sich ergänzende und teils überlappende soziale und räumliche Ebenen und Prozesse.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.22.222.325 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Uwe Kröcher: Die Renaissance des Regionalen. Münster: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14424-die-renaissance-des-regionalen_35716, veröffentlicht am 26.02.2009. Buch-Nr.: 35716 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA