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/ 21.06.2013
Jörg Magenau

Die taz. Eine Zeitung als Lebensform

München: Carl Hanser Verlag 2007; 280 S.; geb., 21,50 €; ISBN 978-3-446-20942-8
Die erste Titelseite der „tageszeitung“ habe wie auf einem Standbild festgehalten, was das linksalternative Milieu und damit die Macher der frühen taz im September 1978 bewegte, schreibt Magenau, der von 1997 bis 1999 taz-Kulturredakteur war: „Internationalismus und bewaffneter Widerstand, die Auseinandersetzung mit der RAF, Anti-Militarismus und Friedensbewegung, Anti-Atomkraft, Frauenbewegung und die Gründung der Grünen“. Diese Anti-Zeitungs-Zeitung sei damit eine zivile Antwort gewesen auf das damalige „Ungenügen, auf das die RAF mit Waffengewalt reagierte“ (20) und das mit Abstand größte und spektakulärste Alternativprojekt in Deutschland. Angereichert mit zahllosen kurzweiligen Anekdoten, die unbedingt in eine taz-Biografie gehören, schildert Magenau den Weg dieses Projektes, angefangen damit, dass jede „alternative Kleingruppe [...] durchaus zu Recht annehmen [durfte], die taz gehört ihr und habe Verlautbarungen aller Art unverzüglich abzudrucken“ (68). Da aber „Betroffenheit“ schnell zu einem „Synonym für Borniertheit, Dilettantismus und Selbstbezüglichkeit“ (68) wurde, setzte ein langwieriger Erkenntnisprozess darüber ein, dass es ohne ein gewisses Maß an journalistischer Professionalität nicht geht. Kennzeichnend für die weitere Entwicklung war vor allem die Unangepasstheit der taz in jede Richtung, sichtbar beispielsweise in dem Versuch, Gesellschaft und Terroristen ins Gespräch zu bringen. Aber: „Die RAF-Mitglieder in den Haftanstalten wollten keine versöhnlerischen Bemühungen, und der Staat wertete jegliche Diskussion über Strategien und Ziele der RAF bereits als Unterstützung einer kriminellen Vereinigung“ (142) – die „Sachakte taz“ beim Berliner Verfassungsschutz „umfasste angeblich mehr als 50 Ordner mit illegal gesammelten Informationen“ (156). Der taz aber sei es im Laufe der Jahre gelungen, ihre publizistische und ökonomische Autonomie zu verteidigen, vor allem durch die Umwandlung der Eigentumsverhältnisse 1991 in eine Genossenschaft – Magenau schreibt, die taz habe damit ein „Modell für alternative Bürgerlichkeit“ (263) entwickelt.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3332.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Jörg Magenau: Die taz. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28033-die-taz_32951, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 32951 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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