/ 17.06.2013
Rainer H. Thiel
Diffusion von Demokratie. Exogene Einflüsse auf Regimetransitionen. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Eberhard Sandschneider
Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 2001 (DUV Sozialwissenschaft); XII, 137 S.; brosch., 29,65 €; ISBN 3-8244-4453-4Politikwiss. Diplomarbeit Berlin. - Angesichts der Dritten Demokratisierungswelle zu Beginn der 90er-Jahre ist in den Sozialwissenschaften noch keine kohärente Theorie über den weltweiten politischen Wandel in Sicht. Immerhin lassen sich in den Demokratie- und Transitionsforschungen allerlei theoretische Versatzstücke finden. Ein Erklärungsmodell ist der Diffusionsansatz, mit dem der internationale Verbreitungsprozess von Innovationen untersucht wird. Thiel möchte diese Herangehensweise für die vergleichende Politikwissenschaft fruchtbar machen und der Dominanz endogener Faktoren bei der Demokratisierung eines Landes widersprechen: "Meine Vermutung ist, dass ein sozialwissenschaftliches Konzept von Diffusion für die Erforschung exogener Einflüsse in Regimetransitionen ein größeres theoretisches Potenzial bietet als von vielen Autoren angenommen." (1) Dabei habe die Außenbeeinflussung von Gesellschaften ein höheres Gewicht als bisher in der Demokratieforschung vermutet wird, so seine Hypothese. Wissenschaftlich sehr souverän gelingt es Thiel, das Erklärungspotenzial des Diffusionsbegriffes darzulegen, indem er die Kluft zwischen endogenen und exogenen Faktoren verringert. "Die globale Verbreitung von Demokratie kann nicht ohne die endogene Beschaffenheit der betroffenen Länder erklärt werden - was wir durch Diffusion besser verstehen können, ist wie Einflüsse, die diese Gesellschaften von außen erfahren, eine Parallelität der Demokratisierungsmuster erzeugen." (121) Um diese Muster empirisch zu erfassen, schlägt Thiel operationalisierbare Indikatoren wie die kognitiven Fähigkeiten einer Gesellschaft oder eine Zeit-Raum-Autokorrelation demokratischer Expansion vor. Außerdem stellt der Autor fest, dass exogene Einflussnahmen in der Liberalisierung von Nicht-Demokratien insgesamt entscheidender seien als in der eigentlichen Demokratisierung, woraus sich wiederum konkrete Handlungsoptionen für die externe Förderung demokratischer Gesellschaften ergeben können.
Inhaltsübersicht: 1. Exogene Faktoren in Demokratisierungsprozessen: 1.1 Exogene Einflussfaktoren im Übergang zur Demokratie - Die internationale Dimension; 1.2 Schnittpunkte und Korrelationen endogener und exogener Einflussfaktoren; 1.3 Wellen der Demokratisierung; 1.4 Dritte-Welle-Demokratisierung und neue Globalität. 2. Was ist Diffusion? 2.1 Diffusion in den klassischen Sozialwissenschaften; 2.2 Die Anwendung des Diffusionsansatzes in der Politikwissenschaft; 2.3 Traditionelle Diffusionstheorie - Eine begriffliche Näherung. 3. Diffusionseffekte in Prozessen sozialen Wandels: Überbrückung inner- und außergesellschaftlicher Einflussfaktoren: 3.1 Die Bedeutung von Diffusionseffekten in der Außenbeeinflussung gesellschaftlichen Wandels; 3.2 Das Galton'sche Problem - Die Logik von Diffusion; 3.3 Die Fusion von inneren und äußeren Einflussfaktoren. 4. Was diffundiert wie? Wahrnehmung und Kommunikation in Regimetransitionen: 4.1 Der Politische-Kultur-Ansatz in der Analyse von Regimetransitionen; 4.2 Kognitive Mobilisierung zum Streben nach Freiheit; 4.3 Kommunikationskanäle und Diffusionseffekte. 5. Demokratisierungswellen: Eine Summe von Diffusionseffekten? 5.1 Diffusionseffekte in der Verbreitung von Demokratie im internationalen System; 5.2 Macht und Diffusion: Demokratisierung abseits von Evolution.
Wilhelm Johann Siemers (SIE)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.2 | 5.41
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Rainer H. Thiel: Diffusion von Demokratie. Wiesbaden: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/15750-diffusion-von-demokratie_17966, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 17966
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
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