/ 17.06.2013
Wolfgang Klages
Gefühle in Worte gießen. Die ungebrochene Macht der politischen Rede
Würzburg/Boston: Deutscher Wissenschafts-Verlag 2001 (DWV-Schriften zur Politikwissenschaft 1); 174 S.; brosch., 14,80 €; ISBN 3-935176-07-4Klages, Gründer einer Politikberatungsagentur in Berlin, spricht sich für eine Rückbesinnung politischer Sprache auf die Ideale antiker, klassischer Rhetorik aus. Zu Recht weist er dabei auf den herausgehobenen Stellenwert hin, den die politische Rede gerade in der Demokratie einzunehmen hat. Klages sieht die Gefahr des Missbrauchs rhetorischer Mittel, erkennt jedoch in der bundesrepublikanischen Politik eher einen Mangel an Rhetorik. Die gegenwärtige Sprache "entlehnt ihren Sprachgebrauch einem unrhetorischen Managerjargon, einer technisch-funktionalen Begrifflichkeit, die den Zugang zu den Adressaten versperrt" (9). Dass es auch anders gehe, sollen sechs Reden von Otto von Bismarck, August Bebel, Adolf Hitler, John F. Kennedy, Franz Josef Strauß und Oskar Lafontaine zeigen, die jeweils knapp analysiert werden. Sie dienen Klages - mehr oder weniger - als Belegexemplare einer bewusst auf Publikumswirkung ausgerichteten, kunstvollen politischen Rhetorik. Mit Ausnahme des "Sonderfall[s] Hitler" (161) stellten diese Redner "Persönlichkeiten dar", die "eine klare politische Botschaft" hatten, Emotionen wecken konnten, nicht konfliktscheu aber authentisch mit "kämpferische[r] Individualität" (162) auftraten - kurzum "Charakterköpfe". So berechtigt, wie einige der Klagen Klages' sind, so vehement wendet er seine Diagnose jedoch zu einer allgemeinen, düsteren Anklage des Zustands deutscher Politik. Diese habe sich "durch ihren Kommunikationsstil von den Bürgern entfernt" (10), ihr mangele es an "bewegenden Ideen" (12) - stattdessen kennzeichne sie "Spracharmut und Verantwortungsscheu" (156). Auch an "das bestehende Parteienkartell" (164) gerichtet, formuliert Klages: "Politik speist sich nicht länger aus Ideen und ganzheitlichen Gesellschaftsvorstellungen, sondern erschöpft sich darin, den materiellen Wohlstand zu mehren. Brieftaschenpolitik, die überwiegend als verlängerter Arm der Wirtschaft erscheint." (163) Diese - sorgsam in den Schleier einer "Erscheinung" gekleidete - Kritik greift zu kurz. Sicher gilt, dass politische Aussagen oftmals "unbestimmt, austauschbar und nichtssagend" (165) bleiben. Dem jedoch die "Idee" entgegenzusetzen, man könne die Gesellschaft beispielsweise "mit der Forderung konfrontieren, weniger für den Einzelnen und mehr für die Gemeinschaft zu leisten" (164) bleibt einstweilen ebenso unbestimmt.
Manuel Fröhlich (MF)
Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
Rubrizierung: 2.24 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Manuel Fröhlich, Rezension zu: Wolfgang Klages: Gefühle in Worte gießen. Würzburg/Boston: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16677-gefuehle-in-worte-giessen_19158, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19158
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Prof. Dr., Juniorprofessur für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.manuel-froehlich.de).
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