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/ 22.06.2013
Gunnar Folke Schuppert

Governance und Rechtsetzung. Grundfragen einer modernen Regelungswissenschaft

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Schriften zur Governance-Forschung 22); 413 S.; 69,- €; ISBN 978-3-8329-5962-3
Staat und Recht beginnen sich in Zeiten der fortschreitenden Europäisierung und Internationalisierung allmählich voneinander zu entkoppeln. Mit den althergebrachten Instrumenten der (juristischen) Gesetzgebungslehre ist dieses Phänomen analytisch nicht in den Griff zu bekommen: „Regulierung“ erfolgt längst nicht mehr allein durch das Gesetz bzw. durch das hoheitlich-hierarchische Handeln staatlicher Institutionen. Vielmehr lässt sich beobachten, dass neben öffentlichen auch zivilgesellschaftliche Akteure an der Regelung komplexer sozialer und ökonomischer Problemlagen beteiligt sind. Die klassische Rechtsetzung durch staatliche Stellen ist somit nur noch eine Regulierungsmethode unter vielen. Deshalb plädiert Schuppert in seiner neuesten monografischen Veröffentlichung dafür, endlich das „Ghetto der Gesetzgebungslehre“ (97) zu verlassen und neue Wege einzuschlagen. Ihm schwebt eine zeitgemäße „Regelungswissenschaft“ vor, die nicht nur auf juristischen, sondern auch auf sozialwissenschaftlichen Fundamten ruht. Um die analytischen Perspektiven beider Forschungszweige in ein übergreifendes theoretisches Rahmenwerk einfließen zu lassen, greift Schuppert auf den Governance-Ansatz zurück. Am Beispiel ausgewählter Regelungsfelder zeigt er die Leistungsfähigkeit einer derart interdisziplinär ausgerichteten Regelungswissenschaft auf. Er thematisiert z. B. die Entstehung internationaler Standards und Verhaltenskodizes, beschäftigt sich mit den Legitimationsaspekten nicht-staatlicher Rechtsetzung, stellt einzelne Regulierungsregime kritisch dar und diskutiert abschließend konkurrierende Regulierungstheorien. Der Autor verdeutlicht auf diese Weise, dass die juristische Forschung es sich nicht leisten kann, auf sozialwissenschaftliche Perspektiven zu verzichten. Damit aber nicht genug: Schuppert macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass auch die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, sofern sie sich mit dem Recht auseinandersetzen, gut beraten sind, den Diskussionsstand der – vor allem jüngeren – juristischen Forschung zu rezipieren. Der Band kann somit als eine reizvolle Einladung zum regen interdisziplinären Austausch verstanden werden.
Jörn Ketelhut (JK)
Dr., Dipl.-Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.32 Empfohlene Zitierweise: Jörn Ketelhut, Rezension zu: Gunnar Folke Schuppert: Governance und Rechtsetzung. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33496-governance-und-rechtsetzung_40084, veröffentlicht am 04.05.2011. Buch-Nr.: 40084 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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