/ 21.06.2013
Tine Stein
Himmlische Quellen und irdisches Recht. Religiöse Voraussetzungen des freiheitlichen Verfassungsstaates
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007; 372 S.; kart., 32,90 €; ISBN 978-3-593-38338-5Politikwiss. Habilitationsschrift FU Berlin; Gutachter: U. K. Preuß. – Die Studie beginnt mit einem Tusch: „Aus einer Sicht der Welt sub specie divinitatis“ (7) sei sie geschrieben. Eine schlichte Bekennerschrift ist die Arbeit aber nicht, vielmehr eine präzise und informative Freilegung der christlichen Wurzeln einiger Kernelemente des zeitgenössischen demokratischen Verfassungsstaates. In einer Zeit, in der Studenten der Politikwissenschaft weder mit den Namen Mose und Paulus – geschweige denn mit den entsprechenden ideengeschichtlichen Implikationen – etwas anzufangen wissen, ist schon die bloße Explikation biblischer Basistexte zur Grundlegung der Politik verdienstvoll. Das leistet die Studie auf beeindruckende Weise in ihrem ersten Teil, in dem die „Genesis-Hypothese“ (31), also die Frage nach den biblisch-christlichen Wurzeln untersucht wird. Streitbar wird die Abhandlung da, wo sie über die Analyse ideengeschichtlicher Zusammenhänge hinausgeht und in der „Geltungshypothese“ (16) auf die fortdauernde und unabdingbare Bedeutung des christlichen Glaubens für den freiheitlichen Verfassungsstaat verweist. Diesen Geltungsanspruch sucht Stein in zwei systematischen Kapiteln zum Religionsverfassungsrecht und zur Menschenwürde zu begründen. Während bei Ersterem die „Offenheit zur Transzendenz“ (280) betont wird, soll das Konzept der Menschenwürde als genuin christliches Prinzip der Gottesebenbildlichkeit verstanden werden. Angesichts der biopolitischen Zurichtung des Menschen sei die Unverfügbarkeit der Person nur im Absoluten zu sichern, müsse ein überpositiver Geltungsgrund des Rechts anerkannt werden. Bei allen Relativierungen im Text der Arbeit muss der Titel mit den himmlischen Quellen des Rechts durchaus als programmatische Ansage einer stark naturrechtlich geprägten Argumentation verstanden werden.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.41
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Tine Stein: Himmlische Quellen und irdisches Recht. Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27713-himmlische-quellen-und-irdisches-recht_32545, veröffentlicht am 03.12.2007.
Buch-Nr.: 32545
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA