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/ 22.06.2013
Britta Baumgarten

Interessenvertretung aus dem Abseits. Erwerbsloseninitiativen im Diskurs über Arbeitslosigkeit

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2010; 330 S.; 32,90 €; ISBN 978-3-593-39226-4
Diss. Duisburg-Essen; Gutachter: J. Reichertz, N. Schroer. – Über Arbeitslose sprechen in der Regel Akteure, die selbst nicht von Arbeitslosigkeit betroffen sind – und sie tun dies häufig nicht im Sinne der Arbeitslosen. Andererseits sind Gruppierungen wie Arbeitsloseninitiativen, die die Sichtweise von Arbeitslosen in der Öffentlichkeit zur Geltung bringen wollen – so die Autorin weiter – marginalisierte Akteure, die lediglich schwache Interessen vertreten. Von dieser Beobachtung ausgehend untersucht Baumgarten die kommunikativen Strategien, mit denen Erwerbsloseninitiativen Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs über Arbeitslosigkeit zu nehmen versuchen. Dabei versteht sie Diskurse als Aushandlungsprozesse sozialer Akteure, die an Strukturen gebunden, nicht aber von ihnen determiniert sind. Als empirisches Material dienen aus dem Internet ausgewählte Websites, Flugblätter und Stellungnahmen von kirchlichen, gewerkschaftlichen und unabhängigen Erwerbsloseninitiativen; das Material stammt weitgehend aus dem Jahr 2004 – also aus der Zeit noch vor der Einführung der Hartz-Reformen. Konzeptionell beruht die Arbeit auf einer Verbindung von wissenssoziologischer Diskursanalyse, Grounded Theory als Grundlage der Dateninterpretation und Theorien über soziale Bewegungen. Ihre Befunde zeigen, dass die Initiativen zwar Zugang zu öffentlichen Debatten finden, wenn sie – und sei es nur partiell – an die herrschenden Diskurse anschließen. Diese pragmatisch gewählten kommunikativen Strategien können jedoch nicht die grundlegenden Differenzen „zwischen den im Diskurs dominierenden Deutungsmustern des Problems Arbeitslosigkeit und Deutungen durch die Initiativen“ (297) verdecken. Diese Differenzen haben im Zuge der Umstellung der Sozialpolitik auf das Aktivierungsparadigma zugenommen. Damit sind die Initiativen mit einer Diskursrationalität konfrontiert, die viele ihrer Forderungen als unberechtigt erscheinen lässt.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.331 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Britta Baumgarten: Interessenvertretung aus dem Abseits. Frankfurt a. M./New York: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33041-interessenvertretung-aus-dem-abseits_39468, veröffentlicht am 06.04.2011. Buch-Nr.: 39468 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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