/ 17.06.2013
Riccardo Viale (Hrsg.)
Knowledge and Politics
Heidelberg/New York: Physica-Verlag 2001; XII, 154 S.; 34,95 €; ISBN 3-7908-1422-9Das zentrale Thema dieses Buches ist die Analyse des Verhältnisses und der Interaktion von Wissen und Politik in der heutigen Zeit. Die Autoren bedienen sich dabei unterschiedlicher methodischer Vorgehensweisen und beleuchten einzelne Politikbereiche. Viale unternimmt im ersten Kapitel eine erkenntnistheoretische Untersuchung des Umgangs mit Wissen auf der Ebene von Regierungen und politischen Institutionen. Er kommt zu dem Schluss, dass die Einbindung von Erkenntnis in politische Entscheidungsprozesse unzureichend sei. Dies, so das Dilemma heutiger Politik, habe immer nur suboptimale Ergebnisse zur Folge. Im zweiten Kapitel versucht Boudon die Existenz der Suboptimalität in politischen Entscheidungsprozessen soziologisch zu erklären. Er beruft sich dabei auf das Suboptimalitätsprinzip von Herbert Simon. Boudon vertritt die Ansicht, dass sich Menschen mit der Lösung zufrieden geben, die im ersten Moment am plausibelsten erscheint. Diese Ansicht wird mit Beispielen aus aktuellen Politikbereichen illustriert. Für Boudon besteht jedoch kaum eine argumentative Möglichkeit, Menschen vor individuellem oder kollektivem Irrglauben zu bewahren: "False ideas are destroyed more surely by the shock of reality than by criticism" (86). Kern des dritten Kapitels ist die Frage nach der Rolle von Wissen und Erkenntnis in politischen Transformationsprozessen, wie beispielsweise in den osteuropäischen Ländern nach 1989. Elster argumentiert, dass Wissen und Erkenntnis gerade bei der Ausarbeitung einer Verfassung die Leitfaktoren sein müssten. Anhand von Beispielen zeigt er jedoch, dass andere Faktoren eine weitaus größere Rolle spielen, namentlich Leidenschaft und Eigeninteresse: "If there is one thing that characterizes times of transition, it is that feelings tend to run high and that nobody is immune to passion" (105). Niskanen plädiert für einen dezentralisierten Umgang mit Erkenntnis. Seiner Argumentation liegt die Annahme zugrunde, dass das heutige Potenzial an Information die Aufnahmekapazität von einzelnen Individuen übersteigt. Wirklich effizient ließe sich dieses Wissen nur nutzen, wenn bestimmte politische Entscheidungskompetenzen an die kommunale Ebene übertragen werden würden: "The one most important change would be to devolve government powers now exercised at a national or regional level to some lower level of government" (115).
Inhalt: Riccardo Viale: Truth, Science and Politics: An Analysis of Social Epistemology (1-61); Raymond Boudon: A "Satisfying" Theory of Social Knowledge (63-87); Jon Elster: Knowledge and the Politics of Transition (89-105); William A. Niskanen: Bringing Power to Knowledge. Choosing Policies to Use Decentralized Knowledge (107-118); Alain Touraine: Knowledge, Power and Self as Distinct Spheres (119-136); Ronald Dworkin: Two Conceptions of Democracy (137-146); Michel Crozier: The Crisis of Complexity (147-152).
Sven Wagener (SWA)
Dipl.-Politologe, M. E. S.
Rubrizierung: 2.2
Empfohlene Zitierweise: Sven Wagener, Rezension zu: Riccardo Viale (Hrsg.): Knowledge and Politics Heidelberg/New York: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16804-knowledge-and-politics_19306, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19306
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Dipl.-Politologe, M. E. S.
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