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/ 21.06.2013
Heinrich Georg Neumann

Konfidenz und Faszinationskommunikation. Vertrauen generierende und Faszination stimulierende Situativstrategien der Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder am Beispiel der Neujahrsansprachen, ZDF-Sommerinterviews und Bulletins 1994 und 2002

Online-Publikation 2006 (http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=982928009); 323 S.
Kommunikationswiss. Diss. HdK Berlin; Gutachterin: A. Rucktäschel. – „Vertrauen“ und „Faszination“ als Phänomene der politischen Kommunikation stehen im Mittelpunkt dieser Analyse, untersucht am Beispiel der Reden und Interviews der Bundeskanzler Kohl und Schröder. In politischen Stellungnahmen kommuniziertes „Vertrauen“ und das Erzeugen von „Faszination“ habe eine bestimmte Funktion, schreibt Neumann. Es gehe darum, die soziale Komplexität zu reduzieren und eine bestimmte Zukunft als Gegenwart zu behandeln – mit dem Ziel, den Zuhörer bzw. den Wähler zu überzeugen und politisch einzunehmen. Trotz dieser ähnlichen Ziele seien Kohl und Schröder „diametrale Kommunikationstypen“ (242) gewesen. Kohl habe eine eindimensionale Kommunikation durch schriftliche Erklärungen und Reden bevorzugt, im christlichen Glauben und im Bildungsbürgertum fundierte Ideale kommuniziert und vor allem die Fortschreibung des europäischen sowie deutschen Einigungsprozesses thematisiert. Angesprochen habe er eher eine Spartenklientel, wie Neumann es nennt, während Schröder sich an alle Wähler gerichtet habe. Bei ihm habe die Wohlstandsproblematik im Mittelpunkt gestanden, wobei er mehrdimensional kommuniziert habe, vor allem durch Interviews. Auch in der Körpersprache seien erhebliche Unterschiede festzustellen: Kohl habe sich stereotyp immer gleich präsentiert und damit einen Habitus aus Arbeitsethos, Bodenständigkeit, christlichen Bezügen und Nationalgefühl vermittelt – durch unbewusste Übersprunghandlungen wie Augenblinzeln oder Zungevorschnellen allerdings visuell beschädigt. Schröder dagegen sei körperbewusst und selbstsicher aufgetreten, wobei sich atmosphärisch Machtanspruch und Volksnähe verbunden hätten. Neumann will mit dieser auch für Politikwissenschaftler interessanten Studie Rezipienten Hinweise darauf geben, wie Manipulationstechniken in der politischen Kommunikation verstanden werden können, und dem politischen Akteur „eine Grundlage, die eigenen Vertrauens- und Faszinationspotenziale gezielt zu optimieren“ (242).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3332.322 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Heinrich Georg Neumann: Konfidenz und Faszinationskommunikation. 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27635-konfidenz-und-faszinationskommunikation_32434, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 32434 Rezension drucken
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