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/ 20.06.2013
Andrea Kathage

Mehr als "Reden zum Fenster hinaus" Zur Relevanz öffentlicher Kommunikation für den privaten Konsens

Aachen: Shaker Verlag 2005 (Essener Studien zur Semiotik und Kommunikationsforschung 14); X, 163 S.; 24,80 €; ISBN 3-8322-3662-7
In der Arbeit werden Plenardebatten mittels der Erkenntnisse des Kommunikationswissenschaftlers Gerhard Ungeheuer untersucht. Hierzu legt die Autorin keine empirische Analyse der Debatten vor, sondern sie analysiert die dabei stattfindenden Kommunikationsprozesse aus einer theoretischen Perspektive. Sie will zeigen, dass die Abgeordneten bzw. die verschiedenen Gruppierungen und Fraktionen im Verlauf der Plenardebatten einen so genannten privaten Konsens, d. h. eine Gruppenübereinkunft über den je eigenen Standpunkt ausbilden. Jeder Standpunkt einer Gruppe könne jedoch nur in Abgrenzung gegen ein Drittes positioniert und artikuliert werden. Im Falle des Bundestages sei dieses Dritte die Öffentlichkeit; diese sei damit konstitutiv für das Zustandekommen des Konsenses des Bundestages. Dadurch erfüllten öffentliche Plenardebatten wichtige gesellschaftliche und politische Funktionen. Mit ihrer Darstellung will die Autorin belegen, dass Plenardebatten keineswegs nur Scheingefechte seien, in denen bereits vorab abgesprochene Positionen öffentlich ausgetauscht und an den Bürger vermittelt würden. Wieso die von ihr vermutete Konsensbildung jedoch ausgerechnet im Verlaufe der Debatten erfolgen muss und nicht etwa, wie sie zu widerlegen versucht, bereits „hinter den Kulissen“ in Abgrenzung der Parteien gegeneinander stattfinden kann, bleibt letztlich unklar.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.352.3332.321 Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Andrea Kathage: Mehr als "Reden zum Fenster hinaus" Aachen: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23828-mehr-als-reden-zum-fenster-hinaus_27384, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 27384 Rezension drucken
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