/ 20.06.2013
Frank Schirrmacher
Minimum. Vom Vergehen und Neuentstehen unserer Gemeinschaft
München: Karl Blessing Verlag 2006; 185 S.; geb., 16,- €; ISBN 978-3-89667-291-9Angesichts eines seiner Ansicht nach durch die demografische Entwicklung überforderten Sozialstaates plädiert der FAZ-Mitherausgeber Schirrmacher dafür, dass die Großfamilie als ein im Notfall den Einzelnen unterstützendes Netzwerk zu fungieren habe. Die Szenerie illustriert er eingangs mit dem Beispiel eines Siedlertrecks, der vor langer Zeit auf dem Weg in den amerikanischen Westen einschneite. Damals überlebten vor allem die, die sich auf ihre Familie stützen konnten. Das ist sicher eine schöne Geschichte, sagt allerdings wenig über die Rechte und Pflichten des Einzelnen aus, der in einer modernen Gesellschaft und einem (immer noch!) funktionierenden Sozial- und Rechtsstaat lebt. Schirrmachers Anliegen ist denn auch keine gründliche wissenschaftliche Analyse, die essayistische Form seines Buches ermöglicht es ihm vielmehr, nur auf einige ausgewählte Aspekte abzuheben. Damit behandelt er auch das Thema Geburtenrückgang nur in dem engen Kontext traditioneller Familienstrukturen. Dass diese in der Gesellschaft nur noch eine untergeordnete Rolle spielten, wie Schirrmacher meint, sei auch eine Schuld des Fernsehens, in Serien wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ oder der „Lindenstraße“ drehe sich fast alles um andere Beziehungsformen. „Es gibt nur noch eine einzige traditionelle, ‚normale‘ Kernfamilie“, schreibt Schirrmacher: „Es sind die Simpsons“ (98).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Frank Schirrmacher: Minimum. München: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25510-minimum_29585, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 29585
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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