/ 11.06.2013
Ralph Greifenstein / Leo Kißler
Mitbestimmung im Spiegel der Forschung. Eine Bilanz der empirischen Untersuchungen 1952-2010
Berlin: edition sigma 2010 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 123); 290 S.; 19,90 €; ISBN 978-3-8360-8723-0Die Autoren legen eine detaillierte Bilanz der deutschen Mitbestimmungsforschung seit deren Etablierung in der Nachkriegszeit vor. Dabei werden zwei Phasen getrennt analysiert und anschließend vergleichend gegenübergestellt (1952-1989; 1990-2010). Diese Unterscheidung ist insofern sinnvoll, als es den Autoren erlaubt, qualitative und quantitative Veränderungen der empirischen Untersuchungen zur Mitbestimmung vor dem Hintergrund von deutscher Vereinigung, Europäisierung und ökonomischer Globalisierung deutlicher zu erfassen. Eine umfangreiche qualitative Auswertung der einzelnen Projekte wird dabei ergänzt durch quantitative Vergleiche, vor allem in der Gegenüberstellung beider Phasen: wichtig ist den Autoren nicht nur die Kontinuität bzw. Veränderung der inhaltlichen Ausrichtung der Forschungsprojekte, sondern ebenso die jeweils gewählten Forschungsmethoden. Ziel der Untersuchung ist es zum einen, offene Fragen und künftige Forschungsperspektiven der Mitbestimmungsforschung herauszuarbeiten. Zum anderen geht es aber auch – in einer Phase, in der die Mitbestimmung vor dem Hintergrund des Strukturwandels der Erwerbsarbeit und der Internationalisierung von Produktion und Standortwettbewerb vermehrt unter Druck gerät – darum, das Wissen über die sozialen, ökonomischen und politischen Folgen der Mitbestimmung zu bilanzieren und praktisch nutzbar zu machen. Gerade in dieser Hinsicht zeigen die Autoren, dass die Forschung der vergangenen 60 Jahre in unterschiedlichen Zusammenhängen mehrmals belegen konnte, dass Mitbestimmung nicht – wie in der gegenwärtigen Debatte oftmals behauptet – zu vermehrten Kosten und Wettbewerbsnachteilen führt, sondern im Gegensatz die ökonomische Performance von Unternehmen tendenziell steigert, indem sie als Frühwarnsystem und Ventil für Interessenkonflikte dient. Diese Erkenntnisse für eine „offensive Argumentationsstrategie“ (153) einzubringen, sei bislang von der Forschung allerdings versäumt worden.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.331
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Ralph Greifenstein / Leo Kißler: Mitbestimmung im Spiegel der Forschung. Berlin: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9686-mitbestimmung-im-spiegel-der-forschung_40037, veröffentlicht am 04.05.2011.
Buch-Nr.: 40037
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA