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/ 11.06.2013
Reinhard Kreissl

Mob oder Souverän. Diskurse über die rechtliche Regulierung kollektiver Protestformen

Opladen: Leske + Budrich 2000; 200 S.; kart., 48,- DM; ISBN 3-8100-2469-4
Mit der Zunahme der Demokratisierung und formaler Partizipationsmöglichkeiten wachse die repressive Kontrolle (sprich Kriminalisierung) der Kommunikationsverhältnisse, genauer des "Redens über die Gesellschaft in der Gesellschaft" (179). Zu diesem Ergebnis kommt der Autor – Kriminologe in Hamburg – in der vorliegenden Analyse, in der er sich mit der "Rekonstruktion einiger Probleme der rechtlichen Steuerung kollektiver Protestformen vor dem Hintergrund theoretisch begründeter Annahmen über die Probleme der Verrechtlichung und politischen Bedeutung kollektiven Handelns" (25) befasst. Dem Gegenstand nähert sich der Autor mit einem Ansatz, den er als "disziplinäre Triangulation" bezeichnet: "kollektiver Protest und die Reaktionen, die er hervorruft[,] lassen sich soziologisch, politiktheoretisch und rechtstheoretisch betrachten" (15), und zwar nicht jeweils separat, sondern kombiniert. Empirische Beispiele, die Kreissl zur Analyse oder als Beleg seiner theoretischen Überlegungen anführt, wählt er aus den 80er-Jahren. Das paradox erscheinende Ergebnis führt der Autor zurück auf die "Problematik einer nicht-transzendentalen Begründung politischer Herrschaft. [...] Souveränität kommt in der Theorie dem versammelten Volke zu, die realen Versammlungen aber gefährden die politische Herrschaft im Namen des Souveräns" (179). Unter Rückgriff auf Arbeiten von Hannah Arendt skizziert Kreissl ferner, wie aus diesem "Dilemma" herauszukommen sei: indem kollektives Handeln als Prototyp politischen Handelns gefasst wird. Inhaltsübersicht: II. Loyalitätsdelikte: 1. Die diskursive Ordnung; 2. Öffentlichkeit, kollektives Handeln und narrative Vergesellschaftung; 3. Loyalitätsdelikte als Verletzung der diskursiven Ordnung; 4. Recht und kollektives Handeln. III. Mob oder Souverän – Die ambivalente Bedeutung kollektiven Handelns in der politischen Theorie: 1. Diesseitige Herrschaftsbegründungen; 2. Jenseits von Herrschaft – Hannah Arendts Konzept der politischen Macht. IV. Soziologische Theorien kollektiven Handelns und sozialer Bewegung: 1. Einige Probleme bei der Erfassung sozialer Bewegung und kollektiven Handelns; 2. Die Standardtheorien kollektiven Handelns; 3. Sozialer Protest im Rahmen der neuen sozialen Bewegungen. V. Kommunikationsverhältnisse und Souveränität.
Detlef Lemke (Le)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 2.3312.355.412.37 Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Reinhard Kreissl: Mob oder Souverän. Opladen: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10275-mob-oder-souveraen_12157, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12157 Rezension drucken
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