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/ 22.06.2013
Rainer Koch / Peter Conrad / Wolfgang H. Lorig (Hrsg.)

New Public Service. Öffentlicher Dienst als Motor der Staats- und Verwaltungsmodernisierung

Wiesbaden: Gabler 2011 (Gabler Research); X, 416 S.; 2., überarb. und erw. Aufl.; 69,95 €; ISBN 978-3-8349-2687-6
Die zweite Auflage dieses umfassenden Überblicks zur Debatte über Modernisierungserfolge und -hürden im öffentlichen Dienst berücksichtigt verstärkt Ergebnisse der internationalen Diskussion. Die Herausgeber gliedern die Beiträge in strategische, strukturelle, instrumentelle und wissenschaftskritische Aspekte der Verwaltungsmodernisierung. Erstaunlich ist dabei, wie wenige empirische Ergebnisse über die Folgen von Reformen vorliegen. Im internationalen Vergleich ergibt sich ein gemischtes Bild, wie Christoph Demmke zeigt: So gab es Fortschritte bei Bürokratieabbau, Antidiskriminierung oder Dezentralisierung von Verantwortung. Große Hemmnisse stehen wiederum einer leistungsorientierten Bezahlung und bei Rekrutierungsverfahren entgegen. Zugleich ziehen mehrere Autoren eine ernüchternde Bilanz bisheriger Reformen im Rahmen des Neuen Steuerungsmodells NSM. Zum einen wurde strukturell bedeutsamen Unterschieden zu Unternehmen zu wenig Beachtung geschenkt. Zum anderen fehlte häufig der nötige Ressourceneinsatz, sodass sich Probleme mitunter sogar verschärften. Und während etwa im Personalmanagement in angelsächsischen Staaten tief greifende Veränderungen gelungen sind, vernachlässigt der öffentliche Dienst in Deutschland diesen Bereich noch (Ausnahme: Bremen). Hans-Gerd Richter und Christina Hoon diagnostizieren eine „Managementlücke“ (95) in der strategischen Architektur öffentlicher Dienste – diese seien noch zu sehr auf Aufgabenvollzug ausgerichtet, als dass sich ihnen einfach managementorientierte Ansätze der Wirtschaft überstülpen ließen. Die Autoren liefern hier wichtige Hinweise für Praktiker, etwa was die zentrale Rolle des mittleren Managements beim Aufbau eines strategischen Managements anbelangt. Insgesamt stimmt man überein, dass die Prozessoptimierungen zwar einiges gebracht hätten, aber die grundsätzlichen Defizite sich so nicht lösen lassen. Gelungen ist insbesondere der letzte Abschnitt des Buches, der kritische Auseinandersetzungen mit der zum Teil ideologisch geprägten Arbeit der Wissenschaft enthält. Mit dem Modell eines „smart state“ wird zumindest versucht, Alternativen anzubieten. Die Stärke des Bandes ist es somit, praxisbezogene Erkenntnisse und Forschungsergebnisse mit wissenschaftstheoretischen Reflexionen zu verbinden. Auch wenn es sich dabei nicht immer um einfache Kost handelt, lohnt die Lektüre für Politiker und Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung.
Dirk Burmester (DB)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Angestellter der Freien und Hansestadt Hamburg.
Rubrizierung: 2.212.325 Empfohlene Zitierweise: Dirk Burmester, Rezension zu: Rainer Koch / Peter Conrad / Wolfgang H. Lorig (Hrsg.): New Public Service. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33578-new-public-service_40186, veröffentlicht am 30.03.2011. Buch-Nr.: 40186 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA