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/ 17.06.2013
Werner Kremp

Politik und Tod. Von der Endlichkeit und vom politischen Handeln

Opladen: Leske + Budrich 2001; 334 S.; kart., 24,54 €; ISBN 3-8100-3024-4
Die Politische Wissenschaft setze Politik gleich mit Institutionen, Machtmechanismen etc., interessiere sich für Systeme oder den Staat. Gefordert sei dagegen in Anlehnung an Eric Voegelin bei der Analyse der politischen Realität "die handelnden (und fühlenden und leidenden und reflektierenden) Menschen mit in Betracht zu ziehen anstatt nur anonyme Strukturen, Prozesse, Schichtungen, Ideologien etc." Und zwar "soll der in politischer Gemeinschaft lebende Mensch, der Bürger (und der, der ihn politisch vertritt) mit allen Zügen seines Wesens wahrgenommen werden" (19). Denn auch in der Politik agiere der ganze Mensch, dem auch die Erfahrung der und die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit zu eigen sei. So dürfe die Wissenschaft von der Ordnung menschlicher Gesellschaften den Tod und seine Erfahrung nicht länger ausblenden wie der "Wahlkämpfer den toten Wähler". "Kurzum: politische Thanatologie soll sich mit der Frage befassen, ob und inwiefern welche Art der Auseinandersetzung der Mitglieder und insbesondere der führenden Repräsentanten einer Gesellschaft mit Tod, Sterblichkeit und Endlichkeit in einer Wechselwirkung mit der Ordnung eben dieser Gesellschaft steht." (24) Und selbst "wenn sich herausstellte, dass dies gerade das Wundersame am Menschen ist: dass er weiß, dass er endlich ist, aber in der Regel handelt, als ob er es nicht wäre?" (271), bleibt die Überzeugung, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod "eine größere Rolle spielen könnte, als allgemein angenommen wird, und dass dies bei der Betrachtung von Politik nicht außer Acht bleiben darf" (272). Denn die Frage, ob die Auseinandersetzung mit dem Tod etwas Gutes oder Schlechtes sei, wurde nicht gestellt. Inhaltsübersicht: Die Ordnung der Gesellschaft und die Erfahrung des Todes; Politiker und Tod. Politisch-thanatologische Fragen und Porträts; First bodies. Über repräsentative Leiblichkeit und Vergänglichkeit; Urnengang. Überlegung zur politischen Thanatologie des Wählens; Demokratische Funeralien oder: Warum erhält das Volk kein Staatsbegräbnis; Epi(thana)log; Anhang 1: Wie wollen Sie sterben, Herr Politiker und Frau Politikerin; Anhang 2: Politikwissenschaftliche Antworten auf ungewöhnliche Fragen.
Heinz-Werner Höffken (HÖ)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 5.41 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Werner Kremp: Politik und Tod. Opladen: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14935-politik-und-tod_16945, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 16945 Rezension drucken
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