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/ 22.06.2013
Ute Clement / Jörg Nowak / Christoph Scherrer / Sabine Ruß (Hrsg.)

Public Governance und schwache Interessen

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 139 S.; brosch., 29,95 €; ISBN 978-3-531-16612-4
Der Sammelband entspringt einem Kasseler Forschungsverbund, dessen Mitglieder interdisziplinär die Auswirkungen neuer Steuerungsformen untersuchen. Unter dem Überbegriff „Governance“ werden hier verschiedene Konzepte diskutiert, die eher über Netzwerke und hybride Steuerungsformen als über Hierarchien oder Marktprinzipien Regelungen herbeiführen. Dabei können sie sich in Abhängigkeit von den Strukturen nicht zuletzt in ihren Ergebnissen stark unterscheiden. Hier setzen die Autoren an und untersuchen verschiedene Politikfelder nach der aktuellen Ausgestaltung ihrer institutionellen und prozessualen Settings. Im Zentrum steht dabei die Frage nach Auswirkungen auf die Vertretung schwacher Interessen innerhalb der jeweiligen Policy. Die Steuerung durch den Staat – über Hierarchien – oder durch Marktprinzipien bildet ganz bewusst nicht den Fokus. Vielmehr geht es um die Ergänzung von Verfahren zur politischen Entscheidungsfindung durch die Einbeziehung weiterer Akteure. Diese können mehr oder minder erfolgreich Interessen der „Schwachen“ – also strukturell schlechter Gestellter – in netzwerkförmige politische Aushandlungsprozesse einspeisen. So werden unter anderem die Umweltpolitik, aber auch Gesundheits- oder Hochschulpolitik daraufhin untersucht, ob sich die Position schwacher Interessen verbessern konnte. Einige Autoren argumentieren mit Fallstudien, was für die Darstellung der veränderten Einflusspotenziale der Interessenvertreter durchaus instruktiv ist. Dies, und der konsequente Zugang über einzelne Politikfelder, offenbaren die Unterschiede der Settings und damit die unterschiedlichen Chancen für die Vertretung schwacher Interessen. Der Staat nimmt hier als Vermittler divergierender gesellschaftlicher Interessen nach wie vor eine Schlüsselrolle ein: „Bleiben die Rahmenbedingungen vage, so setzen sich strukturell privilegierte Gruppen durch“ (23). Diesen Zusammenhang stellen die Autoren jeweils in knapper Form heraus. Der Orientierungsrahmen „schwache Interessen“ verdeutlicht dabei, dass Public Governance selten gleichbedeutend ist mit Good Governance.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.322.3312.34 Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Ute Clement / Jörg Nowak / Christoph Scherrer / Sabine Ruß (Hrsg.): Public Governance und schwache Interessen Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32067-public-governance-und-schwache-interessen_38247, veröffentlicht am 04.05.2010. Buch-Nr.: 38247 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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