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/ 18.06.2013
Marcus Maurer / Carsten Reinemann

Schröder gegen Stoiber. Nutzung, Wahrnehmung und Wirkung der TV-Duelle

Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2003; 239 S.; brosch., 26,90 €; ISBN 3-531-14019-1
Welchen Einfluss haben Fernsehduelle auf den Ausgang von Wahlen? Der Autor untersucht diese Frage am Beispiel des zweiten TV-Duells vor der Bundestagswahl 2002, das am 8. September in der ARD stattfand. Im Zentrum des Interesses stand die Nutzung, Wahrnehmung und Wirkung des TV-Duells. Erstmals gelang es, die Zuschauerwahrnehmungen während einer Fernsehdiskussion mithilfe einer Realtime-Response-Messung zu erfassen. Hierzu wurden während der Debatte die Eindrücke gemessen und ausgewertet, die eine Probandengruppe von 75 Wahlberechtigten aus allen Alters- und Bildungsgruppen von den Kandidaten Schröder und Stoiber gewannen. Mithilfe einer dreimaligen Befragung der Probanden kurz vor, direkt nach und nochmals fünf Tage nach dem Duell sowie einer ausführlichen Analyse der Wahrnehmungswerte während der Debatte wurden die kurz- und langfristigen Wirkungen des TV-Duells ermittelt. Hinsichtlich des Bundestagswahlkampfes 2002 gelangen die Autoren zu zwei zentralen Ergebnissen: Erstens lässt sich tatsächlich ein Einfluss der TV-Duelle auf den Wahlausgang nachweisen. Die rasante Aufholjagd der SPD kurz vor der Wahl hat von der durch die Zuschauer aber auch durch die Medien positiv bewerteten Präsentation des Bundeskanzlers Schröder in den Duellen profitiert. Zweitens gilt es, die verbreitete Ansicht, mit Fernsehduellen seien keine Meinungsänderungen bei den Zuschauern zu erreichen, zu revidieren. Maurer und Reinemann zeigen, dass sich Wirkungen des Duells bei den Zuschauern in Bezug auf die Meinung über die Person, die politischen Positionen bis hin zur Beeinflussung der Sicherheit der Wahlentscheidung im Sinne der Verstärkung oder Verunsicherung nachweisen ließen. Ebenso ist das Vorurteil zu relativieren, TV-Duelle würden über das Auftreten der Kandidaten und nicht über die Inhalte entscheiden. Es konnte gezeigt werden, dass die Kandidaten von den Zuschauern wesentlich aufgrund ihrer Aussagen positiv oder negativ beurteilt wurden.
Sandra Hartmann (SHA)
1. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.3332.332 Empfohlene Zitierweise: Sandra Hartmann, Rezension zu: Marcus Maurer / Carsten Reinemann: Schröder gegen Stoiber. Wiesbaden: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20358-schroeder-gegen-stoiber_23722, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 23722 Rezension drucken
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